Venedig 11: Löwentag

11. September 2011 von Felicitas Kleiner

Leicht dürften Darren Aronofsky und seinen Jury-Kollegen die Entscheidungen über die Vergabe der diesjährigen „Löwen“ nicht gefallen sein. Zwar gab es unter den Wettbewerbsbeiträgen auch einige Ausrutscher wie Cristina Comencinis „Quando la notte“, der bei der Pressevorführung für spöttische Heiterkeitsausbrüche gesorgt hatte. Insgesamt aber wurden die hohen Erwartungen, die die Namen der Filmemacher im Vorhinein geweckt hatten, nicht enttäuscht: Die „Mostra“ und ihr Chef Marco Müller (der leider seinen definitiven Rücktitt als Leiter den Filmfestivals bestätigt haben soll) haben den Besuchern einen furiosen Film-Jahrgang beschert. weiterlesen »

Venedig 10: Last Day on Earth

9. September 2011 von Felicitas Kleiner

Endzeitstimmung herrscht seit den letzten zwei Tagen schon deshalb auf dem Lido, weil sich mittlerweile die Festival-Kinos deutlich geleert haben: Der Abschluss des Festivals rückt näher; die Gäste reisen ab – was für die Übriggebliebenen den Vorteil hat, dass sie nicht mehr mindestens eine halbe Stunde vor Filmbeginn anstehen müssen, um noch einen Platz in den Sälen zu bekommen.

Um Endspiele ging es aber auch in den Wettbewerbsfilmen. Vor allem in Abel Ferraras „4:44 Last Day on Earth“, einem Katastrophenfilm ohne Katastrophenspektakel: weiterlesen »

Venedig 9: Des Pudels Kern

8. September 2011 von Felicitas Kleiner

Der diesjährige Wettbewerb in Venedig ist ein Wettbewerb der Adaptionen: Auffällig viele Filme greifen auf Vorlagen aus anderen Künsten zurück. Das gilt z.B. für Andrea Arnolds unglaublich sinnliche Annäherung an Emily Brontës „Wuthering Heights“. Diese dürfte Fans des Buchs zwar dadurch irritieren, wie ausschließlich sich die Regisseurin auf die sperrige Figur des Heathcliff konzentriert, nimmt aber vor allem durch die bewegliche, in die Welt des Films förmlich eintauchende Bild- und Tonsprache für sich ein. Außerdem gibt es Comic- bzw. Manga-Adaptionen wie Sion Sonos „Himizu“ oder Marjane Satrapis allzu süßliche Liebesgeschichte „Poulet aux Prunes“. Und es gilt für Filme, die sich Theaterstücke als Grundlage nehmen, wie Polankis „Carnage“. Oder Alexander Sokurovs Verfilmung des deutschen Dramas schlechthin, von Goethes „Faust“. Hitler, Lenin, Hirohito und – nun das? Im Katalog der „Mostra“ erklärt der russische Regisseur seinen „Faust“-Film zum vierten Teil seiner Filmreihe über Diktatoren des 20. Jahrhunderts. Seine (freie) Adaption von Goethes zweiteiliger Tragödie soll diese „Tetralogie um die Natur der Macht“ nun komplettieren. weiterlesen »

Venedig 8: Italien und die Illegalen

7. September 2011 von Felicitas Kleiner

Heute Vormittag wurde „Quando la notte“, der neue Film von Cristina Comencini, der Presse vorgestellt – und zu Recht mit Buh-Rufen quittiert. Das Drama um eine junge, mit ihrem zweijährigen Kleinkind überforderte Mutter, die einen Urlaub in den Bergen verbringt und dort in eine seltsame Beziehung zu ihrem schroffen Hauswirt trifft, leidet vor allem an einem offensichtlich sehr schwachen Drehbuch, das nach einem einigermaßen gelungenen Anfang bald in immer dürftiger motivierte Wendungen abdriftet und mit unglaubwürdigen Figurenzeichnungen verärgert. weiterlesen »

Venedig 7: Asiatische Glanzstücke

6. September 2011 von Felicitas Kleiner

Gestern wurden der Presse zwei asiatische Wettbewerbsbeiträge vorgestellt, Ann Huis „ Tao jie“ („A Simple Life“, Hongkong/China) und der neue Film von Sion Sono (nach „Cold Fish“ und „Guilty of Romance“), „Himizu“ (Japan). Damit ist das asiatische Kino äußerst würdig vertreten: beide Filme sind eindringliche, aufwühlende Erlebnisse, die durchaus Chancen auf einen „Goldenen Löwen“ haben. weiterlesen »

Venedig 6: Mad Men

5. September 2011 von Felicitas Kleiner

In „Hunger“, einem der bemerkenswertesten britischen Filme der letzten Jahre, erzählte der Künstler/Filmemacher Steve McQueen von einem IRA-Aktivisten, der aus Protest gegen die Nicht-Anerkennung als politischer Gefangener und gegen die Haftbedingungen in Hungerstreik tritt und diesen Streik bis in die letzte Konsequenz, seinen Tod, durchhält. Gestern Abend feierte nun „Shame“ Premiere, der mit Spannung erwartete zweite Spielfilm McQueens. weiterlesen »

Venedig 5: Ansteckend!

4. September 2011 von Felicitas Kleiner

Sie ist die Leading Lady dieser „Mostra“. Kate Winslet ist dieses Jahr mit gleich drei Projekten vertreten. Im Wettbewerb ist sie in Polanskis „Carnage“ zu sehen und balanciert zusammen mit ihren drei Mitstreitern Christoph Waltz, John C. Reilly und Jodie Foster perfekt an der Grenze zwischen Drama und Karikatur. Zudem ist sie in Soderberghs „Contagion“ (außer Konkurrenz) zu sehen, der gestern Abend Premiere feierte. Und sie spielt in Todd Haynes „Mildred Pierce“ eine Hauptrolle, einer Serie, mit deren Präsentation zu Ehren von Jury-Mitglied Haynes sich die „Mostra“ wie im Februar bereits die „Berlinale“ zum Fernsehen hin öffnet. Eine großartige Gelegenheit, um die Wandlungsfähigkeit der britischen Schauspielerin zu würdigen, die eine große Sensitivität und gefühlsbetonte Wärme mit einer starken Eigenwilligkeit zu verbinden versteht und damit unmittelbar an die großen klassischen Melodramen-Darstellerinnen anschließt (kein Wunder, dass Haynes sie in „Mildred Pierce“ besetzt hat!). In „Contagion“, einem Seuchen-Thriller, spielt sie zwar innerhalb eines großen Ensembles neben Matt Damon, Lawrence Fishburne, Gwyneth Paltrow und Marion Cotillard nur eine kleine Rolle, hinterlässt aber trotzdem als Ärztin, die mit einer unkontrollierbaren Seuche konfrontiert wird, Eindruck und trägt dazu bei, dass einen der Film trotz seiner vielleicht allzu vielen Handlungsfacetten emotional mitnimmt. weiterlesen »

Venedig 4: Griechisches Krisenmanagement

3. September 2011 von Felicitas Kleiner

Wie im letzten Jahr „Attenberg“ von Athina Rachel Tsangari, ist auch in diesem Jahr der griechische Wettbewerbsbeitrag in Venedig eine Entdeckung. „Alpis“ („Alpen”) ist die neue Arbeit von Yorgos Lanthimos, der 2009 mit seinem Film „Dogtooth“ mit dem „Un Certain Regard“-Preis in Cannes geehrt wurde und dazu beitrug, die Aufmerksamkeit auf das junge griechische Kino zu lenken. „Alpis“ ähnelt in vielem Tsangaris „Attenberg“: Auch hier ist die Haupt-Protagonistin eine ebenso reizvolle wie sperrige und seltsame Frauenfigur, eine Art skurrile Jeanne d’Arc des existenziellen Krisenmanagements, die sich im Lauf des Films auf eine abenteuerliche Suche nach sich selbst, ihrer Rolle im Leben und nach Beziehungen macht (wobei einmal mehr das Verhältnis zum Vater, mit dem die junge Frau zusammen wohnt, eine Rolle spielt). Allerdings ist der Tonfall des Films, wenn auch ähnlich spielerisch wie in „Attenberg“, einen Tonfall grimmiger und dunkler und ähnelt darin wieder mehr Lanthimos „Dogtooth“. weiterlesen »

Venedig 3: Dunkler Kontinent

2. September 2011 von Felicitas Kleiner

David Cronenbergs „A Dangerous Method“ ist mit einiger Spannung erwartet worden – zum einen, weil Cronenberg mit seinen letzten beiden Filmen „A History of Violence“ und „Eastern Promises“ die Messlatte für sein Schaffen ziemlich hoch gelegt hat, zum anderen, weil über den Start von „A Dangerous Method“ bei einem der A-Festivals schon lange gemunkelt wurde, aber der Film dann weder in Berlin noch in Cannes ins Programm kam, sondern weiter auf sich warten ließ. Venedig präsentiert ihn nun heute Abend im Wettbewerb – und sorgt damit für einen ersten Höhepunkt. weiterlesen »

Venedig 2: “Orizzonti” und Götter des Gemetzels

1. September 2011 von Felicitas Kleiner

Heute eröffnet mit dem Film „Cut“ des Iraners Amir Naderi die „Orizzonti“- Sektion des Festivals, und wie im Wettbewerb, gibt es auch in diesem dem Innovativen und Grenzüberschreitenden gewidmeten Reihe viele Filme, auf die man gespannt sein kann. Aus deutscher Perspektive gilt das nicht zuletzt für einen der wenigen deutschen Beiträge in Venedig, Romuald Karmakars „Die Herde des Herrn“, in dem es um die Trauer um Papst Johannes Paul II. und um die Wahl von Benedikt XVI. geht – man muss sich allerdings noch einige Tage gedulden, bis der Film vorgestellt wird. Schon morgen läuft dagegen Michael Glawoggers neuer Dokumentarfilm „Whores Glory“, eine Art internationales Triptychon über das älteste Gewerbe der Welt. weiterlesen »