Morgen ist es also wieder so weit: Das 65. Festival du Cannes (16.-29.5.) eröffnet mit Wes Andersons skurriler Ballade “Moonrise Kingdom”. Die Süddeutsche Zeitung machte deshalb heute schon mal mit Marylin Monroe auf der Seite eins auf, deren überproportionales “Happy Birthday”-Porträt gerade über den grauen Beton des Festivalpalais gezogen wird.
Doch noch ist in Cannes niemand zum Feiern zumute. Denn über das Wochenende ist in Frankreich eine heiße Debatte über den “Sexismus” des Festivals entbrannt. Den Stein ins Rollen brachte ein scharfzüngiger Artikel in Le Monde, unterschreiben von Virgine Despentes (“Bais moi”), Coline Serreau und Fanny Cottoncon, die sich bitter beklagen, dass alle 22 Filme im Wettbewerb von Männern stammen.
“The directors of the 22 films in competition this year are all, by happy coincidence, men. For the 63rd time in its existence, the festival will crown one of its own, defending without fail the virile values which are the nobility of the seventh art …
Once in 1993, the Golden Palm was awarded to a female director, Jane Campion. And in 2011, probably due to a lack of vigilance, four women featured among the 20 nominees in competition …
This year, gentlemen you’ve come to your senses and we are overjoyed. The Cannes Film Festival will allow Wes, Jacques, Leos, David, Lee, Andrew, Matteo, Michael, John, Hong, Im, Abbas, Ken, Sergei, Cristian, Yousry, Jeff, Alain, Carlos, Walter, Ulrich and Thomas to show one more time that “men like depth in women, but only in their cleavage.” (Quelle: Screen daily)
Das ist nicht nur verbal harter Tobak, auch wenn Thierry Fremaux schnell nachschob, dass doch in allen wichtigen Sektionen des Festivals sehr wohl Filme von Frauen vertreten wären: nämlich sieben (!) an der Zahl. Doch sein gewundenes Lamento, dass er als “Citizen” das Anliegen des Feminismus absolut unterstütze, als Festivalschef aber ausschließlich der Qualität verpflichtet sei, die durch jede Form einer Quotierung unterminiert werde, klingt wenig glaubwürdig: alle sieben Filmemacherinnen, deren Werke in diesem Jahr in den Nebenreihen zu sehen sind, kommen aus Frankreich. Honi soit qui mal y pense!
Das Thema “Sexismus” dürfte das Festival in Atem halten. Denn die Aktion wurde von “La Barbe” initiiert, einer streitbaren feministischen Grupppe, die zeitgleich eine Online-Petition (“Cannes 2012: Un homme est un homme”) lancierten, in der um öffentliche Unterstützung gebeten wurde.
Da die großen Frauenzeitschriften wie “Gala”, “Elle” und “Au Feminin” sofort mitaufsprangen und die Petition auf ihren Webseiten verlinkten, zählt die Liste inzwischen weit über tausend prominente Unterstützer(innen).
Die Petition findet sich hier






