Archiv für Mai 2010

Goldene Palme für UNCLE BOONMEE

Sonntag, 23. Mai 2010

Apichatpong Weerasethakul

Goldene Palme   UNCLE BOONMEE WHO CAN RECALL HIS PAST LIVES von Apichatpong Weerasethakul

Grand Prix    DES HOMMES ET DES DIEUX von Xavier Beauvois

Preis der Jury    UN HOMME QUI CRIE von Mahamat-Saleh Haroun

Bester Regisseur    Mathieu Amalric für TOURNÉE

Bestes Drehbuch    Lee Changdong für POETRY

Bester Darstellerin    Juliette Binoche in COPIE CONFORME von Abbas Kiarostami

Bester Darsteller (ex aequo)    Javier Bardem in BIUTIFUL

Bester Darsteller (ex aequo)   Elio Germano in LA NOSTRA VITA

FIPRESCI-Preis   TOURNÈE von Mathieu Amalric

Preis der Ökumenischen Jury   DES HOMMES ET DES DIEUX von Xavier Beauvois (weiterlesen…)

Palmenfantasien

Samstag, 22. Mai 2010

Am Sonntagabend geht das 63. Festival du Cannes mit der Verleihung der Goldene Palme zu Ende. Es war ein ruhiges Jahr an der Croisette, mit wenige herausragenden Filmen oder Highlights, auch wenn das Festival durch Sonderveranstaltungen wie die Präsentation des restaurierten Visconti-Klassikers IL GATTOPARDO oder der fünfeinhalbstündigen Premiere von CARLOS umsichtig genug war, die Stimmung nicht allzu sehr ins Negative kippen zu lassen. Die Frage, warum der 2010er-Jahrgang so bescheiden ausfällt, ob die Ursachen der Wirtschafts- oder einer Kinokrise geschuldet sind, wollte in Cannes niemand beantworten; vom Filmmarkt kamen jedenfalls keine Hiobsbotschaften, eher Meldungen, dass es auf bescheidenerem Level wieder aufwärt geht. (weiterlesen…)

At it’s best

Freitag, 21. Mai 2010

Im letzten Jahr stand in diesem Cannes-Blog zu lesen, dass sich das Kino schwer tue, Gedichte oder literarische Texte in seine Geschichten zu integrieren. Wie um diese Meinung zu konterkarieren, betitelt der koreanischem Filmemacher Lee Changdong (SECRET SUNSHINE) sein jüngstes Werk schlicht mit POETRY und erzählt darin auch noch von einer alten Frau (großartig: Yun Junghee), die an einer Art Volkshochschule das Dichten lernen will. (weiterlesen…)

Erholsame Kontraste

Donnerstag, 20. Mai 2010

Was ein Festival wie Cannes auf die Dauer von zwölf Tagen vor allem erträglich macht, sind Filme, die in kein Raster passen oder durch ihre Unkonventionalität überraschen. Das kann durchaus eine bonbonfarbene Komödie wie TAMARA DREWE von Stephen Frears sein, der sich nach THE QUEEN und CHÉRI jetzt an einer Comic-Adaption versucht, die ihrerseits von Thomas Hardy’s Roman „Far From the Madding Crowd“ (dt: Am grünen Rand der Welt) inspiriert wurde. Oder auf der anderen Seite das jüngste Werk von Jean-Luc Godard, der multilinguale FILM SOCIALISME, dessen Untertitel vom Regisseur so radikal auf ein Art Esperanto-Englisch mit Drei-Wort-Sätzen reduziert wurden, dass die Rezeption notgedrungen fragmentarisch-konkreativ ausfallen musste. (weiterlesen…)

Manager der Revolution

Donnerstag, 20. Mai 2010

In Deutschland ist Ilich Ramirez Sanchez (geb. 1949) kaum bekannt, zumindest nicht mit seinem bürgerlichen Namen. Am ehesten kennt man ihn noch unter seinem „nome de guerre“, CARLOS, mit dem er 1975 durch Überfall auf die OPEC-Konferenz in Wien als „internationaler Top-Terrorist“ von sich reden machte; in Frankreich erlangte er hingegen nahezu “Star“-Status, weil dort  in den 1970er- und 1980er-Jahren zahlreiche Anschläge auf sein Konto gingen, ohne das die Polizei seiner habhaft wurde. Erst nach mehr als 20 “revolutinären” Jahren wurde er 1997 im im Sudan verhaftet; seit 1997 sitzt der Terrorist wegen Mordes in einem französischen Gefängnis. Dieses schillernde, geheimnisumwitterte Leben hat Oliver Assayas in ein monumentales, 330 Minuten langes Bio-Pic verwandelt, in pures, energetisches Kino, das historische Lücken schließt und ihn als eine Art dandyhafter Manager der Revolution nahe bringt. (weiterlesen…)

No Redux

Dienstag, 18. Mai 2010

Noch einer ist zurückgekehrt an die Croisette: Oskar Matzerath mit seiner rotweißen BLECHTROMMEL. 31 Jahre nach der „Goldenen Palme“ präsentierte Volker Schlöndorff einen überraschenden „Director’s Cut“ (in „Cannes Classic“). Die Grass-Adaption wurde um 25 Minuten auf jetzt 164 Minuten Gesamtlaufzeit erweitert. Das Ergebnis dieser Operation ist allerdings zwiespältig: Manches wirkt jetzt zwar runder, doch die satirisch-grotesken Züge, die im Vergleich zum Roman schon stark abgemildert waren, treten noch mehr in den Hintergrund. Im Wettbewerb überraschte BIUTIFUL von Aljeandro Gonzales Inarritu als nahezu linear erzähltes Porträt eines todkranken Mannes, der seine Angelegenheiten in Ordnung bringen will. (weiterlesen…)

Garten des Lebens

Montag, 17. Mai 2010

Wenn man dem Kritikervoten in „Screen“ Glauben schenkt, dann ist Mike Leighs ANOTHER DAY bislang mit Abstand der beste Film im Wettbewerb. Nach knapp der Hälfte des Festivals scheint sich zu bewahrheiten, dass der diesjährige Jahrgang wohl nicht zu den besten zählt. Inzwischen häufen sich nämlich Beiträge, die weder begeistern noch enttäuschen: OUTRAGE von Takeshi Kitano etwa, eine mäßig interessante Yazuka-Geschichte, in der sich verschiedene „Familien“ so lange gegenseitig massakrieren, bis kaum noch jemand übrig ist, oder LA PRINCESSE DE MONTPENSIER, in dem Bertrand Tavernier die Religionskriege des 16. Jahrhunderts in Frankreich für eine emanzipatorische Liebesgeschichte in historischen Kostümen nützt. (weiterlesen…)

Sprung ins Wasser

Sonntag, 16. Mai 2010

„Ich habe kein Wort dafür“, sagt der Banker in Christoph Hochhäuslers DIE STADT UNTER DIR, als er seine Affäre mit der Frau eines Untergebenen erklären soll. Das bringt auch den Film wunderbar auf den Punkt, der sich gleich an zwei Unzugänglichkeiten abarbeitet: der Wirtschafts- wie der Lebenskrise. Wie bei allen Filmen, die man unter das Label „Berliner Schule“ packt, braucht es allerdings echte Bereitschaft, sich auf den spröden, intellektuellen Diskurs einzulassen, um einen Fuß in die Geschichte zu bekommen. (weiterlesen…)

„It’s human“

Samstag, 15. Mai 2010

Gordon Gekko is back – gealtert zwar und mit einem Fragezeichen bewaffnet, aber immer noch mit dem wilden Funkeln in den Augenwinkeln. 23 Jahren nach WALL STREET (1987) verspricht Michael Douglas als Ex-Banker unter dem Titel „Is Greed Good?“ Antworten auf die Exzesse an den Börsen, etwa „No, it‘s legal“ oder ähnliche Bonmonts; während er in seiner berühmten „Greed“-Rede die ungehemmte Sucht nach „mehr“ noch als Triebfeder der menschlichen Entwicklung geadelt hatte, verkündet er nun, dass die Ursache allen Übels in der Spekulation zu suchen sei. Sein Schwiegersohn in spe, der Wallstreet-Broker Jack (Shia LaBeouf), nimmt das in WALL STREET: THE MONEY NEVER SLEEPS alles zwar nicht für bare Münze, schenkt dem alten Haifisch aber dennoch Vertrauen, weil der ihm helfen soll, einen verhassten, aber sehr mächtigen Investmentbanker zu demütigen. (weiterlesen…)

Väter & Söhne

Freitag, 14. Mai 2010

Nur mit einem Spazierstock bewaffnet, erklimmt ein alter Mann die Treppe zur Bühne und weist jede Unterstützung energisch zurück. Selbst als ihm eine Hand zu fehlen scheint, um Stock, Mikro und Redemanuskript auszubalancieren, lehnt der 103-jährige Manoel de Oliveira die Hilfe von Festivalchef Thierry Fremaux ab; das kann er selbst immer noch am besten; genauso wie das Filmemachen: O ESTRANGO CASO DE ANGÉLICA (“The Strange Case of Angelica”) wirkt so alterslos wie Oliveira selbst, auch wenn man darin ein großes Werk sich runden sieht. (weiterlesen…)