James Cameron hat in den letzten Jahren nie mit Kritik hinter dem Berg gehalten, wenn es darum ging, „seine Errungenschaft“, nämlich das richtige 3D, von all jenen Mogelpackungen abzugrenzen, die nach „Avatar“ in die Kinos gelangten. „I maintain you can’t do a good conversion (2D to 3D) of a two-hour movie with high quality in a few weeks like they tried to do with ,Clash of the Titans’“, hatte er noch im November 2010 gewettert und auch gegen Tim Burtons „Alice im Wunderland“ Front gemacht, den er als unmöglichen „3D“-Film geiselte.
Allerdings lässt ein kluger Geschäftsmann sich immer eine Hintertür für eigene Marketingstrategien offen: „My personal philosophy is that post conversion should be used for one thing and one thing only – which is to take library titles that are favorites that are proven, and convert them into 3D – whether it’s ,Jaws‘ or ,ET‘ or ,Indiana Jones‘, ,Close Encounters‘ … or ,Titanic‘.“Gesagt, getan! Doch Cameron hat sich viel Zeit gelassen, um seine nach „Avatar“ zweiterfolgreichste Produktion um eine weitere Dimension zu ergänzen. 60 Wochen Postproduktion waren nötig, um „Titanic“ in 4K zu digitalisieren und sorgfältig in 3D zu konvertieren, was knapp 20 Millionen Dollar verschlang. Deshalb soll nun, 100 Jahre nachdem das echte Schiff in den Fluten des Atlantiks versank, das Melodram noch ein Stück „authentischer“, „realistischer“ oder „greifbarer“ in die Kinos kommen (der Film läuft ab 5.4. in ausgewählten Kinos).
Doch die Marketing-Versprechungen trügen! Cameron und seine Computercrew haben sich zwar selbst übertroffen und den 15 Jahre alten Film stereoskopischer aussehen lassen als „Alice im Wunderland“ oder „Kampf der Titanen“. Immer wenn es galt, räumliche Tiefe zwischen Schiffsplanken, Holzvertäfelungen und das opulente Dekor der verschwenderischen Ausstattung zu bekommen, gelingt das Unterfangen. Doch auch Camerons nachgemachtes 3D hat seine Schwächen. Es passieren Flüchtigkeitsfehler, etwa bei dreidimensionalen Handkamera-Aufnahmen der Bergungsmannschaft; schwer wiegt, dass immer dann, wenn Figuren „amerikanisch“ oder „halbnah“ ins Bild rückt sind, diese wie leicht gekrümmte Papierfiguren wirken. „Titanic 3D“ ist vom „authentischen Bild“ genauso weit entfernt wie „Titanic“ in 2D; vielleicht sogar noch weiter, denn durch seine „Umformung“ im Computer ist der „Realfilm“ dem „Animationsfilm“ ein ganzes Stück näher gerückt. Das kann man als neue „Kunst“-Form mögen oder auch nicht. Fakt ist jedenfalls, dass auch ein James Cameron aus 2D nur „3D“ machen kann. Das dürfte Tim Burton beruhigen!


