Archiv für Mai 2012

Cannes (13): Lauter Kompromisse

Montag, 28. Mai 2012

Eine Goldene Palme für „Amour“! Das ist die gute Nachricht. Alle anderen Entscheidungen der Internationalen Jury unter Vorsitz von Nanni Moretti geben weniger Anlass zum Jubeln. Sie zeugen von lauter Kompromissen, spiegeln in ihrer Mittelmäßigkeit aber ganz gut den diesjährigen Festivaljahrgang. (weiterlesen…)

Goldene Palme für Haneke

Sonntag, 27. Mai 2012

Michael Haneke (M.) und die Darsteller aus "Amour"

Beim 65. Festival du Cannes vergab die Internationale Jury unter Vorsitz von Nanni Moretti am Sonntag die Preise:

Goldene Palme: „Amour“ von Michael Haneke

Großer Preis: „Reality“ von Matteo Garrone

Preis der Jury: „The Angel’s Share“ von Ken Loach

Beste Regie: Carlos Reygadas für „Post Tenebras Lux“

Bestes Drehbuch: Crisitan Mungiu für „Beyond the Hills“

Beste Darstellerin: Cristina Flutur und Cosmina Stratan in „Beyond the Hills“

Bester Darsteller: Mads Mikkelsen in „Jagten“ („The Hunt“)

Camera d’Or: „Beats of the Southern Wild“ von Benh Zeitlin

Preis Un Certain Regard: „After Lucia“ von Michel Franco

Jury Preis Un Certain Regard: „Le Grand Soir“ von Gustave Kervern, Benoit Delepine

Cannes (12): FIPRESCI

Samstag, 26. Mai 2012

“Beasts of the Southern Wild”

Die Internationale Filmkritikervereinigung FIPRESCI hat ihren Hauptpreis bei 65. Festival du Cannes an Sergej Loznitsas Parabel „In the Fog“ vergeben. In der Nebenreihe „Un Certain Regard“ zeichnete der Verband „Beasts of the Southern Wild“ von Ben Zeitlin aus, der auch von der Ökumenischen Jury mit einer Lobenden Erwähnung geehrt worden war. Der Preis in der Reihe „Quinzaine du realisateur“ ging an den Film „Hold Back“ von Rachad Djaidani.

Die Preise der Internationalen Hauptjury unter Leitung von Nanni Moretti werden am Sonntag, 27.5. um 19 Uhr vergeben. Der Fernsehsender arte überträgt die Zeremonie live.

Cannes (11): Ökumenischer Preis

Samstag, 26. Mai 2012

"Jagten" ("The Hunt")

Der Film „Jagten“ („The Hunt“) des dänischen Regisseurs Thomas Vinterberg hat bei dem 65. Filmfestival in Cannes (16.-27.5.) den Preis der Ökumenischen Jury gewonnen. Der Film handelt von einem engagierten Erzieher, der zu Unrecht beschuldigt wird, Kinder sexuell missbraucht zu haben. Doch niemand zweifelt an den Anschuldigungen. Ehe sich der Mann versieht, ist er ohne Job, wird geschlagen, gedemütigt, von seinen Freunden gemieden und zunehmend gewaltsam aus allen sozialen Netzen gedrängt. (weiterlesen…)

Cannes (10): Wer gewinnt?

Freitag, 25. Mai 2012

"The Paperboy"

Das Festival nähert sich dem Ende, was man auch daran erkennen kann, dass die Palmen-Spekulationen überhand nehmen. Obwohl noch ein paar wichtige Filme ausstehen, unter anderem Cronenbergs „Cosmopolis“, sind die Kritiker schon fleißig dabei, die Chancen der einzelnen Filme gegeneinander abzuwägen. Hanekes „Amour“ steht hoch im Kurs, auch Mungius „Beyond the Hills“ rangiert im Wertungsspiegel ganz oben; Leos Carax’ „Holy Motors“ werden Außenseiterchancen eingeräumt, und am Ende könnte sogar Alain Resnais’ „You ain’t see nohting yet!“ die Nase vor haben. (weiterlesen…)

Cannes (9): Unterwegs

Donnerstag, 24. Mai 2012

“Holy Motors”

Ein gutes Festivaljahr wird das nicht mehr! Es fehlen die sperrigen Filme, die Kontroverse beflügeln, die verstören oder so schlichtweg so in den Kinosessel bannen, dass man nicht mehr zu atmen wagt. Zwei Solitäre des Weltkinos setzten zwar Akzente, Leos Carax mit „Holy Motors“ und Carlos Reygadas in „Post tenebras lux“, doch auch das ändert nichts an der Drift. Dem 65. Festival du Cannes geht es ähnlich wie Walter Salles „On the Route“: Es verliert sich in der Etappe. (weiterlesen…)

Cannes (8): Angel’s Share

Mittwoch, 23. Mai 2012

"The Angel's Share"

Auf Filmfestivals könnte man sich (fast) wie im Paradies fühlen: Man lacht über Ken Loachs Ausflug in Whiskey-Destillen („The Angel’s Share“), rekapituliert mit Alain Resnais die frühen Werke Jean Anouilhs („You Ain’t Seen Nothin‘ Yet!“), schlürft starken „café“ und überlässt sich zur Not im Dunkel des Kinos auch einmal dem (Minunten-)Schlaf.

Schade nur, dass die Welt, von der die meisten Filme erzählen, so gar nichts Paradiesisches an sich hat: In Sarajevo gärt auch 16 Jahre nach dem Krieg der Ausnahmezustand („Djeca“ von Aida Begic), „America isn’t a country. It’s a Business“, presst Brad Pitt mit gefährlichem Timbre durch die Zähle („Killing them softly“); in „After Lucia“ (von Michel Franco) will die Trauer um die tote Frau nicht enden, was den Lebenden den Atmen raubt. (weiterlesen…)

Cannes (7): Vor der Kamera

Mittwoch, 23. Mai 2012

"Killing them Softly"

Seit 1974 vergeben die christlichen Kirchen beim Filmfestival in Cannes einen ökumenischen Preis. Sechs internationale Jurymitglieder halten zwölf Tage lang nach Filmen Ausschau, in denen es um Spiritualität und Würde, Respekt für die Umwelt oder um Solidarität im Umgang miteinander geht. Vorsitzender der Jury ist in diesem Jahr der Schweizer Theologe und Filmpublizist Charles Martig. Ein Gespräch über die Arbeit der Jury, seine Erfahrungen und preiswürdige Filme. (weiterlesen…)

Cannes (6): Notes vom Tage

Montag, 21. Mai 2012

"Amour"

Michael Haneke wird älter – und immer noch besser. Sein neuer Film „Amour“ ist meisterlich. Abbas Kiarostami macht den Doktor – in Soziologie: „Like Someone in love“ ist ein Glasperlenspiel über Zuschreibung und Projektion. Einmal mehr erheiternd: Hong Songsoo mit „In Another Country“. Und Thomas Vinterberg enthüllt in „The Hunt“ einen verwundbaren Mads Mikkelsen. Insgesamt: ein solider, wenngleich doch etwas braver Festival-Jahrgang. (weiterlesen…)

Cannes (5): Big Brother

Samstag, 19. Mai 2012

"Beyond the hills"

Religion ist in, heißt es seit Jahren, und wenn man sich auf Filmfestivals umschaut, scheint an dieser These auch was Wahres zu sein. Denn die vielfältige, widersprüchliche Welt religiöser Phänomene beschäftigt Filmemacher auffällig mehr als noch vor einer Dekade. Auch in Cannes, wo zumindest für die Presse Matteo Garrones „Reality“ und Cristian Mungius „Beyond the hills“ für einen Tag programmiert waren. Doch gerade bei spirituell-metaphysischen Aufgeschlossenheit empfiehlt es sich bei solchen Filme noch mehr als sonst, die filmische Signatur nicht vorschnell zugunsten leicht kommunizierbarer Sentenzen auf die Seite zu schieben. (weiterlesen…)