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	<title>Film Dienst - Festival Blog</title>
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		<title>Venedig (11): Die Preise</title>
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		<pubDate>Sun, 09 Sep 2012 11:53:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Felicitas Kleiner</dc:creator>
				<category><![CDATA[Festivals]]></category>
		<category><![CDATA[Venedig]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Jury unter Regisseur Michael Mann hatte es in diesem Jahr wirklich nicht leicht: Mit dem Wettbewerb hat der neue &#8220;Mostra&#8221;-Direktor Alberto Barbera allen Befürchtungen eindrucksvoll Contra gegeben, dass Venedig nach dem Wechsel von Marco Müller nach Rom an Bedeutung verlieren könnte. Barbera ist es meisterlich gelungen, mit internationalen Stars auf dem roten Teppich zu [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: left;">Die Jury unter Regisseur Michael Mann hatte es in diesem Jahr wirklich nicht leicht: Mit dem Wettbewerb hat der neue &#8220;Mostra&#8221;-Direktor Alberto Barbera allen Befürchtungen eindrucksvoll Contra gegeben, dass Venedig nach dem Wechsel von Marco Müller nach Rom an Bedeutung verlieren könnte. Barbera ist es meisterlich gelungen, mit internationalen Stars auf dem roten Teppich zu punkten und zugleich bei anspruchsvollen Cineasten für Glücksgefühle zu sogen; zudem war der Wettbewerb mit seinen um Glaubensfragen, Religion und/oder Ideologien kreisenden Filmen äußerst <a href="http://blog.film-dienst.de/wp-content/uploads/2012/09/5296-Photo-call_K._Kim___La_Biennale_di_Venezia_-_ASAC.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-1671" title="5296-Photo-call_K._Kim___La_Biennale_di_Venezia_-_ASAC" src="http://blog.film-dienst.de/wp-content/uploads/2012/09/5296-Photo-call_K._Kim___La_Biennale_di_Venezia_-_ASAC-300x199.jpg" alt="" width="424" height="281" /></a>spannend und kontrovers.</p>
<p style="text-align: left;">Es gab keinen Mangel an würdigen &#8220;Löwen&#8221;-Anwärtern. Dass nun <span style="color: #0000ff;">Kim Ki-duk </span>mit <strong><span style="color: #0000ff;">&#8220;Pietà&#8221;</span></strong> das Rennen gemacht hat, gönnt man dem Südkoreaner trotzdem gern: Sein fulminantes künstlerisches Comeback nach dem Krisen-Selbstporträt &#8220;Arirang&#8221; war eines der eindrücklichsten Erlebnisse des Wettbewerbs<span id="more-1670"></span>Weniger einverstanden bin ich mit den Ehrungen für Paul Thomas Andersons <span style="color: #0000ff;">&#8220;The Master&#8221;</span>, der mit dem Silbernen Löwen für die beste Regie sowie dem Coppa Volpi für die Hauptdarsteller Joaquin Phoenix und Philip Seymour Hoffman ausgezeichnet wurde. Auch wenn die an Scientology-Gründer L. Ron Hubbard erinnernde Story eines Sektengründers und seines &#8220;Jüngers&#8221; ihre starken Momente hat, sagt sie letztlich doch nicht so viel über das wechselseitigen Abhängigkeitsverhältnis dieser Männer.</p>
<p style="text-align: left;">Brillante Mendoza, Ulrich Seidl, Olivier Assayas oder Terrence Malick lieferten tiefer schürfende Arbeiten &#8211; letzterer wurde immerhin mit dem SIGNIS-Award für <span style="color: #0000ff;">&#8220;To the Wonder&#8221;</span> geehrt; Seidl mit dem Spezialpreis der Jury. Auch die Performace von Seymour Hoffman und Phoenix schreit in ihrer Exzentrik fast schon so laut &#8220;Oscar Material&#8221;, dass ich den Darstellerpreis eher einer stilleren und differenzierteren Rollengestaltung überlassen hätte &#8211; etwa Tony Servillo für seinen Auftritt in Bellocchios &#8220;La Bella Addormentata&#8221;.</p>
<p style="text-align: left;">Die Überraschung unter den Hauptpreisen war der &#8220;Coppa Volpi&#8221; für die junge Hadas Yaron, die die Hauptrolle in Rama Burshteins <span style="color: #0000ff;">&#8220;Fill the Void&#8221;</span> spielte. Der Film wurde bei der Pressevorführung ausgebuht; für Begeisterung hatten eher Maria Hoffstätter in Seidls &#8220;Paradies: Glaube&#8221; oder die Nora Aunor in Mendozas &#8220;Thy Womb&#8221; gesorgt. Allerdings muss man Hadas Yoran doch ihre Meriten als Darstellerin lassen; insofern kann ich mich mit der Entscheidung, sie auszuzeichnen, durchaus anfreunden.</p>
<p style="text-align: left;"><a href="http://www.labiennale.org/it/cinema/news/08-09.html"><span style="text-decoration: underline;">Hier</span></a> die Liste aller offiziellen Preise der &#8220;Mostra&#8221;. Und<span style="text-decoration: underline;"> <a href="http://www.labiennale.org/it/cinema/news/08-09c.html">hier</a></span> alle weiteren Preise.</p>
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		<title>Venedig (10): Heimspiel</title>
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		<pubDate>Fri, 07 Sep 2012 17:12:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Felicitas Kleiner</dc:creator>
				<category><![CDATA[Festivals]]></category>
		<category><![CDATA[Venedig]]></category>

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		<description><![CDATA[Für die deutschen Journalisten, deren Rückflug in Folge des Lufthansa-Streiks  annulliert wurden, gibt es bei der &#8220;Mostra&#8221; als Trost  zwei cineastische Grüße aus der Heimat: Brian de Palmas Thriller „Passion“, entstand als französisch-deutsche Co-Produktion. Der Film spielt in Berlin und präsentiert neben den Stars Naomi Rapace und Rachel McAdamas viele deutsche Schauspieler – vor allem [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_1668" class="wp-caption alignleft" style="width: 430px"><a href="http://blog.film-dienst.de/wp-content/uploads/2012/09/2691-Du_Hast_Es_Versprochen_Alex_Schmidt__1_.jpg"><img class="size-medium wp-image-1668" title="2691-Du_Hast_Es_Versprochen_Alex_Schmidt__1_" src="http://blog.film-dienst.de/wp-content/uploads/2012/09/2691-Du_Hast_Es_Versprochen_Alex_Schmidt__1_-300x199.jpg" alt="" width="420" height="278" /></a><p class="wp-caption-text">&quot;Du hast es versprochen&quot;</p></div>
<p style="text-align: left;"><span style="font-size: small;">Für die deutsc</span><span style="font-size: small;">hen Journalisten, deren Rückflug in Folge des Lufthansa-Streiks  annulliert wurden, gibt es bei der &#8220;Mostra&#8221; als Trost  zwei cineastische Grüße aus der Heimat: Brian de Palmas Thriller <span style="color: #0000ff;"><strong>„Passion“</strong></span>, entstand als französisch-deutsche Co-Produktion. Der Film spielt in Berlin und präsentiert neben den Stars Naomi Rapace und Rachel McAdamas viele deutsche Schauspieler – vor allem Karoline Herfurth. Außer Konkurrenz läuft als „Midnight Movie“ die einzige Arbeit einer deutschen Filmemacherin auf der „Mostra“: Alex Schmidts <span style="color: #0000ff;"><strong>„Du hast es versprochen“</strong></span>. <span id="more-1665"></span>Hinter dem Titel verbirgt sich ein gelungener Genrefilm, der elegant zwischen Thriller und Geistergeschichte balanciert: Eine junge Frau trifft eine alte Freundin aus Kindertagen wieder. Die beiden beschließen spontan, sich einige gemeinsame Tage auf der Nordseeinsel in dem Ferienhaus zu gönnen, wo sie auch als Kinder gemeinsam Urlaub machten. </span></p>
<p style="text-align: left;"><span style="font-size: small;">Mit von der Partie ist die kleine Tochter der jungen Frau; der Ehemann, mit dem es gewaltig kriselt, bleibt zuhause. Auf der Insel macht sich indes bald ein Unbehagen bemerkbar: Verdrängte Erinnerungen aus den Kindertagen drängen an die Oberfläche und legen sich wie Schatten über das Haus und die Insel, und eine alte Schuld verlangt unerbittlich danach, beglichen zu werden. </span></p>
<p><span style="font-size: small;">Schmidt versucht mit dieser simplen Geschichte nicht, das Mystery-Genre neu zu erfinden, aber sie spielt so souverän auf dessen Klaviatur, dass sich vom ersten Bild an ein wohliger Schauer einstellt: Ein atmosphärischer Umgang mit dem filmischen Raum, eine durchdachte Farbdramaturgie, ein wohl dosierter Musikeinsatz und gute Schauspieler bereiten den Boden für eine Story in bester Gothic-Manier, bei der man zwar nach den ersten 30 Minuten meint, sie hätte sich schon verausgabt, was sich jedoch als sinistre Täuschung erweist: Bis zum Ende schlägt der Plot immer wieder spannende Haken.</span></p>
<p><span style="font-size: small;"></p>
<div id="attachment_1679" class="wp-caption alignright" style="width: 310px"><a href="http://blog.film-dienst.de/wp-content/uploads/2012/09/thy-womb-02-Thy_W.jpg"><img class="size-medium wp-image-1679" title="thy-womb-02-Thy_W" src="http://blog.film-dienst.de/wp-content/uploads/2012/09/thy-womb-02-Thy_W-300x204.jpg" alt="" width="300" height="204" /></a><p class="wp-caption-text">&quot;Thy Womb&quot;</p></div>
<p>Im Wettbewerb empfahl sich mit Brillante Mendozas <span style="color: #0000ff;"><strong>„Thy Womb“</strong></span> ein weiterer Film für den „Goldenen Löwen“. „Thy Womb“ ist eine schlicht-berührende Geschichte eines älteren Ehepaares in einem Fischerdorf auf den Philippinen. Der Film zeigt die beiden als harmonisches Gespann, das alles miteinander teilt; allerdings ist diese Ehe kinderlos geblieben. Um das zu ändern, beschließen sie gemeinsam, dass der Mann eine zweite Ehe eingehen soll (beide sind muslimischen Glaubens). Ihre Bestrebungen richten sich darauf, eine passende Kandidatin ausfindig zu machen und das notwendige Brautgeld zusammen zu kriegen. All diese scheint auch in eine gute Partie zu münden – doch dann fordert die auserwählte junge Frau,  dass der Mann seine erste Frau verlassen müsse, wenn sie ihm das erste Kind gebäre. </span></p>
<p><span style="font-size: small;">Mendoza erzählt dieses simple, aber zutiefst berührende Porträt einer Ehe über weite Strecken in nahezu dokumentarischem Gestus; er lässt sich ganz auf den Alltag der Eheleute ein, auf ihre Arbeits- und Lebensbedingungen, auf die Bräuche und Sitten ihrer Gemeinschaft. Fern der desolaten Stadtwelten von „Kinatay“ und „Lola“, wirkt diese Welt exotisch-unberührt, wenn einem zwischendurch nicht immer wieder Facetten einer brutaleren Wirklichkeit ins Gesicht springen: ein Überfall auf das Fischerboot des Paares, bei dem der Mann verletzt wird, Bilder einer christlichen Kirche, in der Kugel-Einschläge davon zeugen, dass hier vor einiger Zeit eine Gewalttat stattgefunden haben muss. </span></p>
<p><span style="font-size: small;">Allerdings sind es nicht diese beunruhigenden Einbrüche einer von außen in die traditionelle Welt eindringenden Moderne, die diesem Porträt eine tragische Wendung geben; es ist vielmehr der archaische Konflikt zwischen der jungen und der alten Frau sowie des Mannes, der zwischen beiden wählen muss. Hier geht es nicht um ein Paradies, das verloren zu gehen droht, sondern um die Fragilität des Glücks und den Verlust und Schmerz, der unvermeidbar zum Leben dazu gehört – eingeführt schon im einleitenden Motiv der Geburt, in der unter Schmerzen ein Kind in die Welt gesetzt wird.</span></p>
<p><span style="font-size: small;"></p>
<div id="attachment_1680" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://blog.film-dienst.de/wp-content/uploads/2012/09/the_company_you_keep.jpg"><img class="size-medium wp-image-1680" title="the_company_you_keep" src="http://blog.film-dienst.de/wp-content/uploads/2012/09/the_company_you_keep-300x168.jpg" alt="" width="300" height="168" /></a><p class="wp-caption-text">&quot;The Company you keep&quot;</p></div>
<p>Außer Konkurrenz präsentierte Robert Redford <span style="color: #0000ff;"><strong>„The Company You Keep“</strong></span>, einen Politthriller um ehemalige Mitglieder der Weatherman-Gruppe, die ihren Protest gegen den Vietnam-Krieg aus Frust über die Wirkungslosigkeit des gewaltfreien Widerstands mit terroristischen Mitteln fortsetzten. 30 Jahre später kommt das FBI durch die Recherchen eines jungen Journalisten auf die Spur eines ehemaligen &#8220;Weatherman&#8221;-Mitglieds (Redford selbst). Der Mann, der sich als Anwalt und Vater einer Tochter eine bürgerliche Existenz aufgebaut hat, sieht sich zur Flucht gezwungen. Und sucht alte Weggefährten und -gefährtinnen auf, die ihm weiterhelfen können. </span></p>
<p><span style="font-size: small;">Der junge Journalist spürt unterdessen parallel zum FBI den Geschehnissen von damals nach. Redford erweist sich dabei als Regisseur, der das Genre ebenso souverän zu gestalten weiß wie die Altmeister, für die er in Filmen wie „Die drei Tage des Condor“ oder „Die Unbestechlichen“ selbst vor der Kamera gestanden hat; über das spannungsvolle Katz-und-Maus-Spiel hinaus glänzt der Film aber vor allem als Reflexion über das, was von den Idealen der Revolutionsbewegung geblieben &#8211; und was aus den ehemaligen Idealisten, verkörpert u.a. von Susan Sarandon, Julie Christie, Nick Nolte und Robert Jenkins, geworden ist. Und es geht um die Auseinandersetzung dieser Generation mit der ihrer Kinder, repräsentiert durch Shia LaBeouf als Journalist, dessen Fragen die Revolutionäre von einst aus ihren ruhigen Winkeln treiben. </span></p>
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		<title>Venedig (9): Endspurt</title>
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		<pubDate>Thu, 06 Sep 2012 14:54:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Felicitas Kleiner</dc:creator>
				<category><![CDATA[Festivals]]></category>
		<category><![CDATA[Venedig]]></category>

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		<description><![CDATA[ 
Allmählich neigt sich die „Mostra“ dem Ende zu. Die Filme, die jetzt noch Wettbewerb laufen, sorgen zwar weiter für Aufsehen; aber ob sie sich im Kampf um den „Goldenen Löwen“ gegen Malick, Seidl und Kim Ki-duk noch behaupten können? Für viele italienische Kollegen zählt Marco Bellocchios „La bella addormentata“ zu den Favoriten. Mein Eindruck [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: left;"><span style="font-size: small;"> </span></p>
<div id="attachment_1684" class="wp-caption aligncenter" style="width: 460px"><a href="http://blog.film-dienst.de/wp-content/uploads/2012/09/2333-Bella_addormentata_Marco_Bellocchio__3_1.jpg"><img class="size-large wp-image-1684" title="2333-Bella_addormentata_Marco_Bellocchio__3_" src="http://blog.film-dienst.de/wp-content/uploads/2012/09/2333-Bella_addormentata_Marco_Bellocchio__3_1-1024x682.jpg" alt="" width="450" height="299" /></a><p class="wp-caption-text">&quot;Balla Addormentata&quot;</p></div>
<p style="text-align: left;">Allmählich neigt sich die „Mostra“ dem Ende zu. Die Filme, die jetzt noch Wettbewerb laufen, sorgen zwar weiter für Aufsehen; aber ob sie sich im Kampf um den „Goldenen Löwen“ gegen Malick, Seidl und Kim Ki-duk noch behaupten können? Für viele italienische Kollegen zählt <span style="color: #0000ff;">Marco Bellocchios</span> <span style="color: #0000ff;"><strong>„La bella addormentata“</strong></span> zu den Favoriten. Mein Eindruck war insgesamt positiv, aber mit Einschränkungen: Der Film verbindet mehrere Geschichten mehrerer Figuren, und wie so oft in dieser Erzählform sind einige diese Geschichten überzeugend, andere weniger.<span id="more-1660"></span><span style="font-size: small;">Im Mittelpunkt aller Episoden steht das Thema passive Euthanasie: Dürfen lebensverlängernde Maßnahmen (von langjährigen Koma-Patienten, von unheilbar Kranken) eingestellt werden &#8211; </span>wobei der Film auf einen tatsächlichen Fall beruht, der in Italien zu einem öffentlichen Skandal führt.<span style="font-size: small;"> In &#8220;La bella addormentata&#8221; soll ein Senator demnächst über ein Gesetz abstimmen, dass passive Euthanasie kategorisch verbietet; die Parteidisziplin würde von ihm erfordern, das Gesetz zu befürworten. Der Politiker kann das aber nicht mit seinem Gewissen vereinbaren; einst schaltete er selbst auf Wunsch seiner todkranken Frau die Maschinen, die sie am Leben hielten, ab. </span></p>
<p style="text-align: left;"><span style="font-size: small;">Seine Haltung wird in den Schicksalen anderer Charaktere </span>kontrastiert, gespiegelt oder ergänzt<span style="font-size: small;">: der Tochter des Senators, die Euthanasie ablehnt, wohl auch aus ihrem katholischen Glauben heraus; einer Mutter, die über ihrer im Koma liegenden Tochter alle anderen Dinge des Lebens vergessen zu haben scheint; einer jungen Selbstmord-Kandidatin, die aggressiv ihr Recht einfordert, ihrem als miserabel empfundenen Leben ein Ende zu setzen. Die Fülle dieser Schicksale bedingt, dass einige davon allzu oberflächlich abgehandelt werden; vor allem in der zentralen Geschichte des Senators liefert der Film aber eine bemerkenswerte Auseinandersetzung mit dem Thema Euthanasie, der Last des freien Willens und obendrein mit dem politischen Klima in Italien.</span></p>
<div id="attachment_1662" class="wp-caption alignleft" style="width: 210px"><a href="http://blog.film-dienst.de/wp-content/uploads/2012/09/2477-Spring_Breakers_Harmony_Korine.jpg"><img class="size-medium wp-image-1662" title="2477-Spring_Breakers_Harmony_Korine" src="http://blog.film-dienst.de/wp-content/uploads/2012/09/2477-Spring_Breakers_Harmony_Korine-200x300.jpg" alt="" width="200" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">&quot;Spring Breakers&quot;</p></div>
<p style="text-align: left;"><span style="font-size: small;">Immerhin sorgte der Film für Aufregung. Von <span style="color: #0000ff;">Valeria Sarmientos <strong>„Linhas de Wellington</strong>“</span>, dem portugiesischen Beitrag, kann man das leider nicht sagen: Sarmiento, die ein Projekt ihres Partner Raoul Ruiz vollendet, lässt den Film um die Besetzung Portugals unter Napoleon zum langatmigen, schwerfälligen Historienschinken gerinnen; Cameo-Auftritte von Stars wie Michel Picolli, Catherine Deneuve und John Malkovich können nicht über die Blässe der Hauptfiguren hinweg trösten, deren private Schicksale das Drama ihres Landes allzu exemplarisch illustrieren sollen. </span></p>
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		<title>Venedig (8): Pietà</title>
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		<pubDate>Wed, 05 Sep 2012 13:35:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Felicitas Kleiner</dc:creator>
				<category><![CDATA[Festivals]]></category>
		<category><![CDATA[Venedig]]></category>

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		<description><![CDATA[Besonders schön an Festivals sind die Überraschungen: Filme, deren Screening man ohne besondere Erwartung aufsucht und die sich dann als Entdeckung entpuppen. Etwa dem russischen Dokumentarfilm „Anton tut ryadom“ („Anton&#8217;s Right Here“) von Lyubuv Arkus. Der Film, mehr ein Essay als eine klassische Dokumentation, erzählt von der Beziehung der Filmemacherin zum „Titelhelden“ Anton, einem autistischen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: left;"><span style="font-size: small;"><a href="http://blog.film-dienst.de/wp-content/uploads/2012/09/2567-Anton_tut_ryadom_Lyubov_Arkus.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-1655" title="2567-Anton_tut_ryadom_Lyubov_Arkus" src="http://blog.film-dienst.de/wp-content/uploads/2012/09/2567-Anton_tut_ryadom_Lyubov_Arkus-300x225.jpg" alt="" width="300" height="225" /></a>Besonders schön an Festivals sind die Überraschungen: Filme, deren Screening man ohne besondere Erwartung aufsucht und die sich dann als Entdeckung entpuppen. Etwa dem russischen Dokumentarfilm <span style="color: #0000ff;"><strong>„Anton tut ryadom“</strong></span> („Anton&#8217;s Right Here“) von Lyubuv Arkus. Der Film, mehr ein Essay als eine klassische Dokumentation, erzählt von der Beziehung der Filmemacherin zum „Titelhelden“ Anton, einem autistischen Jungen, dessen Mutter an Krebs erkrankt ist und in absehbarer Zeit nicht mehr für den Jungen sorgen kann. <span id="more-1654"></span>Es geht um dem Kampf darum, Anton ein Zuhause jenseits psychiatrischer Stationen zu verschaffen, in denen er nur vor sich hin vegetieren würde. Der Film ist jedoch viel mehr als eine Aufarbeiten der Pflegesituation in Russland, ein zutiefst humanistisches, poetisches Plädoyer für eines jeden Recht auf Liebe und freie Entfaltung.</span></p>
<p style="text-align: left;"><span style="font-size: small;">Angesichts des neuen Films von <span style="color: #0000ff;">Kim Ki-duk</span> waren die Erwartungen hoch, wurden aber nicht enttäuscht. Nach seiner Schaffenskrise kehrt er mit <span style="color: #0000ff;"><strong>„Pietà“</strong></span> zur alten Form zurück und liefert eine düstere, fiebrig-grausige Bestandsaufnahme zwischenmenschlicher Beziehungen in einem Umfeld, in dem das Geld angesichts einer sozial desolaten Situation eine Art fühllose Gottheit zu sein scheint, der (fast) alle alles zu opfern bereit sind. </span></p>
<p style="text-align: left;"><span style="font-size: small;">Die Hauptfigur, ein junger Mann, arbeitet als Schuldeneintreiber für einen Geldverleiher; wenn die Schuldner – vor allem Leute in kleinen Handwerksbetrieben – nicht rechtzeitig zahlen können, nutzt er die Werkzeuge und Maschinen in deren Werkstätten oder andere drastische Mittel, um sie zu verstümmeln oder zu verkrüppeln; mit dem Geld zuvor abgeschlossener Versicherungen wird die Schuld dann beglichen. Der junge Mann scheint ohne jede Art von Mitleid und Reue vorzugehen; er lebt allein und pflegt, soweit man sieht, keinerlei zwischenmenschlichen Kontakt. </span></p>
<p style="text-align: left;"><span style="font-size: small;">Bis eines Tages eine ältere Frau vor seiner Tür auftaucht, die ihm nicht mehr von der Pelle rückt und sich schließlich als seine Mutter vorstellt, die den Jungen schon als Baby verlassen hat. Jetzt will sie wieder gutmachen, was sie bislang versäumt hat. Es gelingt ihr, die Widerstände des jungen Mannes gegen ihre Fürsorge allmählich abzubauen und eine Beziehung zu ihm herzustellen. Als sie dann plötzlich verschwindet und alles darauf hindeutet, dass ein ehemaliges Opfer des Jungen sie entführt hat, um Rache zu nehmen, versucht er verzweifelt, die Mutter zu retten.</span></p>
<div id="attachment_1656" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://blog.film-dienst.de/wp-content/uploads/2012/09/2449-Pieta_Kim_Ki-duk__1_.jpg"><img class="size-medium wp-image-1656" title="2449-Pieta_Kim_Ki-duk__1_" src="http://blog.film-dienst.de/wp-content/uploads/2012/09/2449-Pieta_Kim_Ki-duk__1_-300x168.jpg" alt="" width="300" height="168" /></a><p class="wp-caption-text">&quot;Pieta&quot;</p></div>
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		<title>Venedig (7): Ideologische Grabenkämpfe</title>
		<link>http://blog.film-dienst.de/2012/09/04/venedig-7-ideologische-grabenkampfe/</link>
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		<pubDate>Tue, 04 Sep 2012 11:32:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Felicitas Kleiner</dc:creator>
				<category><![CDATA[Festivals]]></category>
		<category><![CDATA[Venedig]]></category>

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		<description><![CDATA[

Ulrich Seidls Wettbewerbsbeitrag „Paradies: Glaube“ schlägt momentan in Italien Wellen. Seidl und seine Hauptdarstellerin Maria Hofstätter sind wegen Blasphemie angezeigt worden (siehe hier). Stein des Anstoßes ist eine Szene in der zweiten Hälfte des Films, in der die Hauptfigur Anna Maria ihr Kruzifix mit ins Bett nimmt, es in die Arme schließt und damit masturbiert [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: left;">
<p style="text-align: left;"><span style="font-size: small;"></p>
<div id="attachment_1695" class="wp-caption aligncenter" style="width: 432px"><a href="http://blog.film-dienst.de/wp-content/uploads/2012/09/paradies-glaube-Parad.jpeg"><img class="size-full wp-image-1695" title="paradies-glaube-Parad" src="http://blog.film-dienst.de/wp-content/uploads/2012/09/paradies-glaube-Parad.jpeg" alt="" width="422" height="299" /></a><p class="wp-caption-text">&quot;Paradies: Glaube&quot;</p></div>
<p>Ulrich Seidls Wettbewerbsbeitrag <strong>„Paradies: Glaube“</strong> schlägt momentan in Italien Wellen. Seidl und seine Hauptdarstellerin Maria Hofstätter sind wegen Blasphemie angezeigt worden (siehe <a href="http://derstandard.at/1345165959498/Regisseur-Ulrich-Seidl-wegen-Blasphemie-angezeigt"><span style="text-decoration: underline;">hier</span></a>). Stein des Anstoßes ist eine Szene in der zweiten Hälfte des Films, in der die Hauptfigur Anna Maria ihr Kruzifix mit ins Bett nimmt, es in die Arme schließt und damit masturbiert – sicher eine Zumutung, wobei die Szene aber vor allem die Verstörung der Hauptfigur zum Ausdruck bringt, die an dieser Stelle des Films mehr und mehr an ihrem Konflikt zwischen Gottesliebe und den „irdischen“ Gegebenheiten und Ansprüchen der Welt, der eigenen Körperlichkeit wie den Anforderungen ihres Ehemanns, aufgerieben wird. Seidl gebraucht diese drastische Szene durchaus nicht als leere, billige Provokation mit blasphemischer Intention, d.h. in einer Weise, die auf die Erniedrigung eines religiösen Symbols abzielt, sondern vielmehr, um die Glaubenskrise seiner Figur zu visualisieren. <span id="more-1647"></span><span style="color: #0000ff;">Olivier Assayas</span> beschäftigt sich mit ganz anderen ideologischen Grabenkämpfen: Sein neuer Film<strong> <span style="color: #0000ff;">„Après Mai“</span></strong> schaut zurück auf die frühen 1970er-Jahre und beschäftigt sich mit dem Nachhall der Studentenrevolte der 1968er. </span></p>
<p style="text-align: left;"><a href="http://blog.film-dienst.de/wp-content/uploads/2012/09/1282-APR__S_MAI__SOMETHING_IN_THE_AIR__VideocliP__1__WEB.mov">1282-APR__S_MAI__SOMETHING_IN_THE_AIR__VideocliP__1__WEB</a></p>
<p style="text-align: left;"><span style="font-size: small;"><a href="http://blog.film-dienst.de/wp-content/uploads/2012/09/2323-Apr__s_Mai_Olivier_Assayas__2_.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-1649" title="2323-Apr__s_Mai_Olivier_Assayas__2_" src="http://blog.film-dienst.de/wp-content/uploads/2012/09/2323-Apr__s_Mai_Olivier_Assayas__2_-300x225.jpg" alt="" width="300" height="225" /></a>Mit dem Namen seiner Hauptfigur Gilles, eines jungen Studenten, der seinen politischen und künstlerischen Weg sucht, und mit dem Namen einer weiteren wichtigen Figur, Gilles Freundin Christine, schließt Assayas an seinen Film „Cold Water“ von 1994 an; „Après Mai“ entwirft nun in größerem Stil ein liebevolles Stimmungsbild der 1970er-Jahre und rekurriert dabei wesentlich auf Assayas&#8217; eigene Erfahrungen, seine politische, künstlerische, literarische und musikalische Sozialisation. </span></p>
<p style="text-align: left;"><span style="font-size: small;">Der Film beginnt mit einer drastischen Szene, die die gewaltsame Auflösung von Gruppen demonstrierender Studenten durch die Einheiten der „brigades spécial d&#8217;intervention“ zeigt, und folgt von dort aus lose-elliptisch dem jungen Gilles und einigen seiner Freunden bei ihren ideologischen und künsterlischen Suchbewegungen, die sie u.a. auch nach Italien und London führen. </span></p>
<p style="text-align: left;"><span style="font-size: small;">Dabei geht es u.a. um eine Ausdifferenzierung der verschiedenen Facetten des linken Spektrums, unter denen die Jugendlichen nach einer eigenen Haltung suchen, vor allem aber auch an eine Hommage Assayas&#8217; an die Bücher/Bilder/Songs/Zeitungen, die ihn selbst geprägt haben. Ein sehr zärtlicher Film über das Jungsein.</span></p>
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<p style="text-align: left;"><span style="font-size: small;"><a href="http://blog.film-dienst.de/wp-content/uploads/2012/09/2625-Disconnect_Henry-Alex_Rubin_H._Davis__J._Bateman.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-1650" title="2625-Disconnect_Henry-Alex_Rubin_H._Davis__J._Bateman" src="http://blog.film-dienst.de/wp-content/uploads/2012/09/2625-Disconnect_Henry-Alex_Rubin_H._Davis__J._Bateman-300x200.jpg" alt="" width="300" height="200" /></a>Ein wesentlich anderes, düstereres Bild von Jugend entwirft <span style="color: #0000ff;">Henry-Alex Rubin</span> in seinem Film <strong>„<span style="color: #0000ff;">Disconnect“</span></strong>, in dem es um die Missbrauchsrisiken einer umfassenden Vernetzung durch Internet, Handy usw. geht. Trotz des Booms der Kommunikationsmittel sind die Jugendlichen und auch die Erwachsenen hier viel einsamer als in Assayas&#8217; Film, die sich wesentlich umständlicher mittels Zeitungen, Plakaten oder Reisen miteinander vernetzen und verständigen müssen. Rubins Ensemble-Film verbindet verschiedene Schicksale lose zu einem dramatischen Panorama, das sich polemisch gegen die Verschanzung in virtuellen Welt stark macht. </span></p>
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		<title>Venedig (6): Wunder</title>
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		<pubDate>Mon, 03 Sep 2012 16:59:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Felicitas Kleiner</dc:creator>
				<category><![CDATA[Festivals]]></category>
		<category><![CDATA[Venedig]]></category>

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		<description><![CDATA[Wenn man im Wettbewerb der &#8220;Mostra&#8221; zur Halbzeit einen thematischen Leitfaden ausmachen kann, dann das hartnäckige Insistieren auf der Gretchenfrage: An was glauben die Figuren, welche Werte geben ihnen Halt (oder auch nicht)? Das betrifft zu vorderst natürlich &#8220;Paradies: Glaube&#8221; von Ulrich Seidl &#8211; für viele immernoch der stärkste Löwen-Anwärter -; es wird auf ganz [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: left;"><span style="font-size: small;"><a href="http://blog.film-dienst.de/wp-content/uploads/2012/09/outrage-beyond-logo.jpg"><img class="aligncenter size-large wp-image-1636" title="outrage-beyond-logo" src="http://blog.film-dienst.de/wp-content/uploads/2012/09/outrage-beyond-logo-1024x614.jpg" alt="" width="450" height="269" /></a>Wenn man im Wettbewerb der &#8220;Mostra&#8221; zur Halbzeit einen thematischen Leitfaden ausmachen kann, dann das hartnäckige Insistieren auf der Gretchenfrage: An was glauben die Figuren, welche Werte geben ihnen Halt (oder auch nicht)? Das betrifft zu vorderst natürlich &#8220;Paradies: Glaube&#8221; von Ulrich Seidl &#8211; für viele immernoch der stärkste Löwen-Anwärter -; es wird auf ganz unterschiedliche Weise aber auch in vielen anderen Filmen gespiegelt. Etwa in den diametral entgegengesetzten Filmen von <span style="color: #0000ff;">Susanne Bier</span> und <span style="color: #0000ff;">Takeshi Kitano</span>. <span id="more-1625"></span><a href="http://blog.film-dienst.de/wp-content/uploads/2012/09/love-is-all-you-need-2.jpg"><img class="alignright size-medium wp-image-1637" title="love-is-all-you-need-2" src="http://blog.film-dienst.de/wp-content/uploads/2012/09/love-is-all-you-need-2-300x199.jpg" alt="" width="300" height="199" /></a></span></p>
<p style="text-align: left;"><span style="font-size: small;">Kitano steuert mit &#8220;<span style="color: #0000ff;"><strong>Outrage Beyond</strong></span>&#8221; einen wunderbar schlichten, präzise wie ein Uhrwerk komponierten  Yakuza-Thriller bei, in dem die Loyalitäten innerhalb unterschiedlicher Yakuza-Familien zu zerbrechen drohen. Traditionalisten und die junge Generation kommen sich mehr und mehr ins Gehege, aber auch die Polizisten sind sich in der Wahl ihren Methoden längst nicht einig. Das süße Gegengewicht zur bitteren Gangsterballade ist Biers  hemmungslos romantische Italien-Lovestory  &#8220;<strong><span style="color: #0000ff;">Love Is All You Need</span></strong>&#8220;, in der ein trauernder Witwer und eine Frau nach einer überstandenen Krebstherapie aneinander neuen Lebensmut finden.</span></p>
<p style="text-align: left;"><span style="font-size: small;">***<br />
</span></p>
<p style="text-align: left;"><span style="font-size: small;">Wesentlich tiefgründiger und schmerzhafter befasst sich Terrence Malicks &#8220;<strong><span style="color: #0000ff;">To the Wonder</span></strong>&#8221; mit dem Thema Liebe. </span></p>
<p style="text-align: left;"><span style="font-size: small;">Das „Wunder“, dem Malick den Titel seines neuen Film entlehnt, bekommt in der ersten Sequenz einen symbolträchtigen Ort. Die Liebenden, um die es hier geht, Neil (Ben Affleck) und Marina (Olga Kurylenko), besuchen gemeinsam den Mont St. Michel in der Bretagne, erklimmen die Stufen „To the Wonder“, wie der innere Monolog Marinas, der als Off-Stimme die Bilder begleitet, formuliert. Das „Wunder“, wie der Mont St. Michel einst genannt wurde, scheint dabei zur steinernen Manifestation der Liebe des Paares zu werden, die in der Einleitungssequenz als eine Vision von Harmonie und Glück beschworen. Auf Felsen ins Meer gebaut und den Gezeiten trotzend, überhöht der sakrale Raum des Mont St. Michel die Liebe von Neil und Marina ins Transzendente, musikalisch unterstützt von Klängen aus Wagners „Parzifal“. </span></p>
<p style="text-align: left;">„<span style="font-size: small;"><span style="color: #0000ff;">To the Wonder</span>“ bleibt allerdings bei diesem Gipfel des Glücks nicht stehen. Der Film begleitet die Entwicklung der so magisch beginnenden Liebe über einen längeren Zeitraum, durch Annäherungen und Entfremdungen, bis er am Ende wieder beim Bild des Mont St. Michel ankommt. Marina reist zusammen mit ihrer Tochter Tatiana in die ihren amerikanischen Heimat ihres Geliebten bei Oklahoma. Doch allmählich entfremdet sich das Paar voneinander; als Marinas Visum abläuft, kehrt sie mit der Tochter zurück nach Frankreich. </span></p>
<p style="text-align: left;"><span style="font-size: small;"> </span></p>
<div id="attachment_1639" class="wp-caption aligncenter" style="width: 460px"><a href="http://blog.film-dienst.de/wp-content/uploads/2012/09/to-the-wonder-ben-affleck-rachel-mcadams1.jpg"><img class="size-large wp-image-1639" title="to-the-wonder-ben-affleck-rachel-mcadams" src="http://blog.film-dienst.de/wp-content/uploads/2012/09/to-the-wonder-ben-affleck-rachel-mcadams1-1024x682.jpg" alt="" width="450" height="299" /></a><p class="wp-caption-text">&quot;To the Wonder&quot;</p></div>
<p>Während ihrer Abwesenheit trifft Neil Jane (Rachel McAdams) wieder, die er seit Kindertage kennt. Beide verlieben sich und scheinen auf eine Ehe zuzusteuern. Dann aber kündigt Marina an, dass sie in die Staaten zurück kehren will; Neil entscheidet sich für sie und gegen Jane. Doch auch der zweite Anlauf zu einem gemeinsamen Leben scheitert. Ergänzt und konterkariert wird diese Liebesgeschichte durch die Geschichte einer anderen, vom Scheitern bedrohten Liebe: dem spanischer Priester (Javier Bardem), bei dem Marina in Amerika die Messe besucht und beichtet, droht seine Beziehung zu Gott abhanden zu kommen, ähnlich wie dem Pfarrer in Bergmans „Licht im Winter“.</p>
<p style="text-align: left;"><span style="font-size: small;">Mit dieser Zusammenfassung ist allerdings noch wenig gesagt über den Film; denn „To the Wonder“ ist weniger ein narratives denn ein lyrisches Werk: Neil und Marinas Entfremdung wird nicht psychologisch ausgeleuchtet; ihre Hintergründe und Lebensumstände werden angedeutet, aber nicht ausgebreitet. Die Montage konstruiert keine wirkliche Geschichte, sie treibt traumgleich von Bild zu Bild, von Eindruck zu Eindruck, mal sanft gleitend, mal springend, und auch die Kamera ist meist in fließender Bewegung: Sie schwebt auf Dinge und Gesichter zu, tastet sanft über die Oberflächen, folgt den Figuren wie ein unsteter Schatten. </span></p>
<p style="text-align: left;"><span style="font-size: small;">Diese ständige Bewegung durch Kameraführung und Schnitt wirkt allerdings nicht unruhig, sondern eher so, als würde man an einer Küste stehen und das Heran- und Wegrollen der Wellen beobachten. Eine wichtige Rolle spielt die Sprache, weniger in den Dialogen – der Austausch zwischen den Figuren findet eher nonverbal statt –, sondern primär in den inneren Monologen, die die Bilder begleiten und deren lyrischen Fluss ergänzen. Zum Englischen kommen Französisch (Marina) und Spanisch (der Priester) – eine Sprachenvielfalt, die auch eine verbale Grenze zwischen den Figuren zieht.</span></p>
<p style="text-align: left;"><span style="font-size: small;">An einer Stelle greift der Film Bilder aus „Tree of Life“ auf und schließt damit an Malicks Vorgängerfilm an. Auch „<span style="color: #0000ff;">To the Wonder</span>“ ist eine (sehr dialektische) spirituelle Reflexion über einen zentralen Aspekt menschlichen Seins. Während es in „Tree of Life“ um die Großartigkeit des Lebens und des Kosmos ging, die in ihrer Erhabenheit die Anwesenheit eines Schöpfers zu bedingen scheinen, und um das Leid und den Tod, die diese Anwesenheit negieren, geht es in &#8220;To the Wonder&#8221; um die Liebe. </span></p>
<p style="text-align: left;"><span style="font-size: small;">Malick beschwört sie als „göttliche“ Macht, durch die Menschen über die eigenen Beschränkungen hinaus wachsen, erzählt von ihr aber gleichzeitig als sehr irdischer Bindung, die äußeren Umständen und der Zeit unterworfen ist und so unperfekt, schwach und fragil wie alles Menschliche.</span></p>
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		<title>Venedig (5): Der Meister</title>
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		<pubDate>Sun, 02 Sep 2012 14:43:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Felicitas Kleiner</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Venedig]]></category>

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&#8220;To the Wonder&#8221;


Im Palazzo del Casino hat jemand Bilder von Terrence Malick aufgehängt, untertitelt mit der Frage: „Hat jemand diesen Mann gesehen?“ Offensichtlich ist Malick nicht auf dem Lido erschienen, um seinen Film „To the Wonder“ vorzustellen. Bei der Pressekonferenz glänzt er jedenfalls durch Abwesenheit; umso mehr schüren seine Hauptdarstellerin Olga Kurylenko, die Produzentin Sarah [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="mceTemp mceIEcenter" style="text-align: left;">
<dl id="attachment_1608" class="wp-caption aligncenter" style="width: 430px;">
<dt class="wp-caption-dt"><a href="http://blog.film-dienst.de/wp-content/uploads/2012/09/2493-To_the_Wonder_Terrence_Malick.jpg"><img class="size-medium wp-image-1608 " title="2493-To_the_Wonder_Terrence_Malick" src="http://blog.film-dienst.de/wp-content/uploads/2012/09/2493-To_the_Wonder_Terrence_Malick-300x200.jpg" alt="" width="420" height="279" /></a></dt>
<dd class="wp-caption-dd">&#8220;To the Wonder&#8221;</dd>
</dl>
</div>
<p style="text-align: left;">Im Palazzo del Casino hat jemand Bilder von <span style="color: #0000ff;">Terrence Malick</span> aufgehängt, untertitelt mit der Frage: „Hat jemand diesen Mann gesehen?“ Offensichtlich ist Malick nicht auf dem Lido erschienen, um seinen Film <span style="color: #0000ff;"><strong>„To the Wonder“</strong></span> vorzustellen. Bei der Pressekonferenz glänzt er jedenfalls durch Abwesenheit; umso mehr schüren seine Hauptdarstellerin Olga Kurylenko, die Produzentin Sarah Green und andere Mitarbeiter das Mysterium Malick: das kreative Genie, das den Schauspielern in die Seele schaut, um das Beste aus ihnen heraus zu holen. „To the Wonder“ wurde heute der Presse vorgestellt; darüber schreiben werde ich allerdings erst am Montag: Vor zwei Tagen erließ das Festival ein Embargo, das Rezensionen vor der offiziellen Premiere untersagt. Nur so viel schon:</p>
<p style="text-align: left;"><span id="more-1607"></span>Die Reaktionen waren, ähnlich wie bei „Tree of Life“, sehr kontrovers; wer mit „Tree of Life“ nichts anfangen konnte, dürfte auch „To the Wonder“ ablehnen; wer &#8220;Tree of Life&#8221; schätzt, wird wahrscheinlich auch zum neuen einen Zugang finden.</p>
<p style="text-align: left;">***</p>
<div class="mceTemp" style="text-align: left;">
<dl id="attachment_1609" class="wp-caption alignright" style="width: 310px;">
<dt class="wp-caption-dt"><a href="http://blog.film-dienst.de/wp-content/uploads/2012/09/2519-The_Master_P.T._Anderson__2_.jpg"><img class="size-medium wp-image-1609 " title="2519-The_Master_P.T._Anderson__2_" src="http://blog.film-dienst.de/wp-content/uploads/2012/09/2519-The_Master_P.T._Anderson__2_-300x200.jpg" alt="" width="300" height="200" /></a></dt>
<dd class="wp-caption-dd">&#8220;The Master&#8221;</dd>
</dl>
</div>
<p style="text-align: left;">Ähnlich gemischt fielen die Reaktionen auf <strong><span style="color: #0000ff;">„The Master“</span> </strong>von <span style="color: #0000ff;">Paul Thomas Anderson</span> aus, den manche für ein Meisterwerk halten, andere für ein schönes, aber völlig leeres Gefäß. Ich selbst bin von dem Film sehr angetan, aber nicht rückhaltlos begeistert: Er hat viele schöne Sequenzen und Momente, bleibt insgesamt aber unentschieden, was genau er denn über die gegenseitige Abhängigkeit von Herr und Knecht erzählen will.</p>
<p style="text-align: left;">Der Film setzt mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs ein und beobachtet das Scheitern eines Marinesoldaten (furios: Joaquin Phoenix), der nicht mehr zurück in ein normales Leben findet; der Trinker landet schließlich in der Obhut des patriarchalischen Gründers einer obskuren Gruppe (in gewohnter Stärke: Philip Seymour Hoffman), die im Glauben an und in der Erforschung von früheren Leben die Lösung aller Probleme sieht, von sozialen Fragen über die Aufrüstung bis hin zum Krebs.</p>
<p style="text-align: left;">Die wechselnde Dynamik zwischen dem Guru und dem labilen, aufbrausenden jungen Mann sorgt für spannungsvolle Szenen, allerdings graben sich die beiden Figuren auch gegenseitig das Wasser ab: So gerät die eigentliche Hauptfigur, der Trinker, gelegentlich ins Abseits, wenn die Regie sich vom Interesse an dem jovialen Guru und dem esoterischen Brimborium davon tragen lässt.</p>
<p style="text-align: left;">***</p>
<p style="text-align: left;">Zur Halbzeit des Festivals hier ein Überblick über andere Wettbewerbsbeiträge:<strong> <span style="color: #0000ff;">„É stato il figlio“</span></strong> von <span style="color: #0000ff;">Daniele Ciprì</span> scheint nur für Italiener goutierbar zu sein. Während sich im Pressespiegel die italienischen Kollegen recht angetan zeigen, ist die internationale Presse &#8220;not amused&#8221;. Ich eingeschlossen. Der Versuch, dem großteils infantilen, burlesken Klamauk, den dieser Film zelebriert, plötzlich eine tragische Wendung zu geben, scheitert.</p>
<p style="text-align: left;">****</p>
<p style="text-align: left;">Richtiggehend ausgebuht wurde der israelische Beitrag<strong> <span style="color: #0000ff;">„Fill the Void“</span></strong> von <span style="color: #0000ff;">Rama Burshtein</span>; ich vermute wegen der völlig unkritischen Darstellung des jüdisch-orthodoxen Milieus, in dem der Film spielt. Es geht um die (Liebes-)Geschichte einer jungen Frau, die nicht weiß, ob sie sich an den Mann ihrer kürzlich verstorbenen älteren Schwester verheiraten lassen soll. Der Film hinterfragt an keiner Stelle den Werte-Kosmos, in dem sich die Figuren bewegen; der Sinn arrangierter Ehen und die Prämissen, dass ein Frauenleben sich nur in Ehe und Mutterschaft erfüllt, werden nie in Frage gestellt, ein „Außerhalb“ zur orthodoxen Lebenswelt gibt es nicht. Innerhalb dieser engen Beschränkung ist der Film ein durchaus sensibles, sehr intimes Porträt einer jungen Frau, die zwischen religiösem und familiären Pflichtgefühl und der Sehnsucht, um ihrer selbst geliebt zu werden, komplett die Orientierung verliert.</p>
<p style="text-align: left;">
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		<title>Venedig (4): Vaterfiguren</title>
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		<pubDate>Sat, 01 Sep 2012 17:01:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Felicitas Kleiner</dc:creator>
				<category><![CDATA[Festivals]]></category>
		<category><![CDATA[Venedig]]></category>

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		<description><![CDATA[
Das amerikanische Kino ist stark vertreten im Wettbewerb der „Mostra“: Gerade feiert Paul Thomas Andersons „The Master“ mit Philip Seymour Hoffman und Joaquin Phoenix seine Premiere; morgen steht Terrence Malicks „To the Wonder“ auf dem Programm, am Dienstag folgt Harmony Korines „Spring Breakers“. Den Anfang machte Ramin Bahrani mit „At Any Price“  – und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: left;">
<div id="attachment_1619" class="wp-caption aligncenter" style="width: 401px"><a href="http://blog.film-dienst.de/wp-content/uploads/2012/09/at-any-price-02-At_An.jpg"><img class="size-medium wp-image-1619" title="at-any-price-02-At_An" src="http://blog.film-dienst.de/wp-content/uploads/2012/09/at-any-price-02-At_An-300x199.jpg" alt="" width="391" height="259" /></a><p class="wp-caption-text">&quot;At any price&quot;</p></div>
<p>Das amerikanische Kino ist stark vertreten im Wettbewerb der „Mostra“: Gerade feiert Paul Thomas Andersons „The Master“ mit Philip Seymour Hoffman und Joaquin Phoenix seine Premiere; morgen steht Terrence Malicks „To the Wonder“ auf dem Programm, am Dienstag folgt Harmony Korines „Spring Breakers“. Den Anfang machte <span style="color: #0000ff;">Ramin Bahrani</span> mit „<strong><span style="color: #0000ff;">At Any Price</span></strong>“  – und legte damit die Qualitätslatte für die US-Beiträge ziemlich hoch. <span id="more-1602"></span> „At Any Price“ ist ein mustergültiges Familienepos, das an Klassiker wie „Früchte des Zorns“ denken lässt, gleichzeitig aber auch höchst aktuell ist mit seinen Einblicken in die Landwirtschaft im Korngürtel der USA. Es geht um einen klassischen Vater-Sohn-Konflikt, mit Dennis Quaid und Zac Efron prominent besetzt, aber auch um den enormen wirtschaftlichen Druck, der auf den Farmern lastet. „Wer nicht wächst, stirbt“: entweder mausern sich die Farmen zu permanent expandierenden Agrar-Unternehmen &#8211; oder sie gehen ein.</p>
<p style="text-align: left;">Die Exposition des Films verrät noch nichts von diesem Druck. Die Bilder führt wie ein Fotoalbum ins Familienleben der Whipples ein, das mit Mutter, Vater, zwei Söhnen und der Mais-Farm in Iowa eine uramerikanische Apple-Pie-Idylle herauf beschwört. Auch in der Erzählgegenwart steht die Farm zwar noch ganz gut dar, doch scheint sie dem Konkurrenzdruck durch ein anderes Familienunternehmen demnächst unterlegen zu sein.</p>
<p style="text-align: left;">Während der Vater alle Kräfte mobilisiert, um dies zu verhindert, wird ihm immer schmerzhafter vor Augen geführt, dass seine Söhne sich längst von der Farm und dem väterlichen Erbe distanziert haben: der Ältere ist auf Abenteuerreise in Südamerika; der Jüngere (Efron) träumt von einer Karriere als Rennfahrer. Während der Konflikt zwischen Vater und Sohn immer stärker an die Oberfläche dringt, tauchen plötzlich die Vertreter eines Konzerns auf, der genverändertes Saatgut vertreibt. Sie haben einen Tipp bekommen, dass die Whipples, die Kunden des Konzerns sind, Vertragsbedingungen gebrochen hätten. Sollten sie dafür Beweise finden, steht die Existenz der Farm auf dem Spiel.</p>
<p style="text-align: left;">Bahranis Film hat einige motivische Ähnlichkeiten mit dem außer Konkurrenz gezeigten Serienkiller-Film „<strong><span style="color: #0000ff;">The Iceman</span></strong>“ von <span style="color: #0000ff;">Ariel Vromen</span>: In beiden Filmen haben sich die männlichen Hauptfiguren in einer Bilderbuch-Version des amerikanischen Familienleben eingerichtet; der Mann fungiert als Oberhaupt und Ernährer, der für den materiellen Wohlstand verantwortlich ist und sich über seinen Erfolg definiert. In beiden Filmen geht es auch darum, den Druck und die daraus resultierende Aggressivität, die dieser Spielart des „American Dreams“ innewohnen, an die Oberfläche zu bringen. In „At Any Price“ greifen Bahranis Figuren zwar nicht zu so brachialen Methoden der Selbstbehauptung wie der Antiheld in „The Iceman“, doch auch hier eskaliert die Gewalt.</p>
<p style="text-align: left;">
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		<title>Venedig (3): Glaube</title>
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		<pubDate>Sat, 01 Sep 2012 06:41:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Felicitas Kleiner</dc:creator>
				<category><![CDATA[Festivals]]></category>
		<category><![CDATA[Venedig]]></category>

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		<description><![CDATA[Mit Ulrich Seidls &#8220;Paradies: Glaube&#8221; hat der Wettbewerb der diesjährigen &#8220;Mostra&#8221; einen ersten Höhepunkt. Der Film ist das Herzstück einer Trilogie, deren erster Teil (&#8220;Paradies: Liebe&#8221;) im Frühjahr in Cannes seine Premiere feierte. Verlinkt sind die einzelnen Teile durch die familiären Beziehungen der weiblichen Hauptfiguren: Die Protagonistin in &#8220;Glaube&#8221; ist die Schwester der afrikanischen (Liebes-)Touristin; [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://blog.film-dienst.de/wp-content/uploads/2012/08/2423-Ulrich_Seidl_prt.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-1584" title="2423-Ulrich_Seidl_prt" src="http://blog.film-dienst.de/wp-content/uploads/2012/08/2423-Ulrich_Seidl_prt-300x200.jpg" alt="" width="300" height="200" /></a>Mit <span style="color: #0000ff;">Ulrich Seidls</span> <span style="color: #0000ff;"><strong>&#8220;Paradies: Glaube&#8221;</strong> </span>hat der Wettbewerb der diesjährigen &#8220;Mostra&#8221; einen ersten Höhepunkt. Der Film ist das Herzstück einer Trilogie, deren erster Teil (&#8220;Paradies: Liebe&#8221;) im Frühjahr in Cannes seine Premiere feierte. Verlinkt sind die einzelnen Teile durch die familiären Beziehungen der weiblichen Hauptfiguren: Die Protagonistin in &#8220;Glaube&#8221; ist die Schwester der afrikanischen (Liebes-)Touristin; die Nichte bzw. Tochte der Frauen wird im dritten Teil (&#8220;Paradies: Hoffnung&#8221;) die Hauptfigur sein. <span id="more-1580"></span>Inhaltlich verbindet die Filme das zentrale Motiv menschlicher Heilssuche. Dabei scheint die Figur der Anna Maria (Maria Hofstetter) diesem Ziel in &#8220;Paradies: Glaube&#8221; zunächst wesentlich näher als ihre Schwester. So befremdlich die extremen religiösen Pratiken, in denen sie ihren katholischen Glauben auslebt, auch sein mögen, scheinen sie ihr doch inneren Frieden, Stärke und Heiterkeit zu verleihen.</p>
<p>Es wäre leicht, diese Figur, die sich selbst als Sühneopfer für die sündige Welt geißelt, als Witzfigur erscheinen zu lassen, wenn sie auf Knien durch die Wohnung robbt und dabei den schmerzensreichen Rosenkranz betet und mit ihrer Gruppe von der &#8220;Legion zum Herzen Jesu&#8221; die Rekatholisierung Österreichs plant; Seidl begegnet ihr und ihrer Glaubensinbrunst jedoch mit derselben Ernsthaftigkeit wie schon den Protagonisten in &#8220;Jesus, Du weißt&#8221;: Wenn Anna Maria betend vor ihrem Kruzifix kniet, verdoppelt die Kamera sozusagen die Andachtssituation und betrachtet  die Figur mit der selben Versenkung und Hingabe wie Anna  ihren Jesus.</p>
<p>Im Laufe des Films gerät die Heilsgewissheit, die Anna zu Beginn so irritierend ausstrahlt, allerdings ins Wanken. Während sie ihre Ferien nutzt, um Tag für Tag nach Wien zu fahren und mit einer kleinen Holzmadonna im Gepäck ihr Missionswerk zu verrichten, kehrt ihr Ehemann zurück, der vor zwei Jahren in einen schweren Unfall verwickelt wurde und nun im Rollstuhl sitzt. Der Mann ist Muslim &#8211; und für Anna eine &#8220;Prüfung&#8221;, der sie sich nicht gewachsen zeigt. Hartnäckig fodert er nicht nur mildtätige Fürsorge, sondern auch emotionale Zuwendung ein, die Anna nicht zu geben bereit ist. Und so entfaltet sich Abend für Abend, wenn Anna ihre Arbeit verrichtet hat, in der heimischen Wohnung ein Kampf um ihre Seele, der Anna schließlich zu zerreißen droht.</p>
<p>Um einen Glaubenskrieg zwischen Islam un Katholizismus handelt es sich dabei keineswegs: Der muslimischer Glaube des Mannes spielt nur eine Nebenrolle; er will Anna nicht bekehren, er will sie als Frau für sich zurückgewinnen. Bedeutsamer als seine Religion wirkt seine Herkunft: Dass er der deutschen Sprache nicht ganz mächtig ist, überhöht zeichenhaft die Verständigungsprobleme und die gegenseitige Verständnislosigkeit dieses Paares.</p>
<p>Annas Problematik ist die Spiegelung derjenigen, die sich ihrer Schwester in &#8220;Paradies: Liebe&#8221; stellte: Während bei dieser die Heilssuche in der Liebe daran scheiterte, dass sie das Körperliche nicht transzendieren konnte, scheitert Anna daran, dass ihre Gottesliebe ebenso ausschließlich bleibt und keine Ergänzung in der Nächstenliebe findet. Annas ganze Zärtlichkeit richtet sich auf Jesus; für die Menschen um sie her scheint nichts mehr an Wärme übrig zu bleiben, was Seidl dezent in einer Sequenz andeutet, die Anna bei ihrer Arbeit in einer Klinik zeigt. Hier passt sich die Gläubige dem wissenschaftlich-nüchternen Umfeld perfekt an und behandelt die Patienten mit profesioneller Kühle.</p>
<p>Ihre missionarischen Streifzüge in die Wohnungen der Wiener &#8220;Ungläubigen&#8221; wiederum haben zwar mitunter durchaus karitativen Wert, sind als kleine, komödiantische Zwischenspiele des Aneinander-Vorbeiredens aber auch bezeichnend für Annas Unwilligkeit, ihre Nächsten als etwas anderes denn als Objekt ihrer eigenen Pflichterfüllung zu sehen.</p>
<p>So gelingt Seidl mit &#8220;Paradies: Glaube&#8221; in eindringlichen, oft verstörenden, mitunter schockierenden Bildern im Grunde eine filmische Reflexion über das zentrale Gebot des christlichen Glaubens, das Gottes- und Nächstenliebe als zwei Seiten einer Medaille fassst, die zusammen gehören.</p>
<p>***</p>
<p>Eine weitere, sehr lohnende Auseinandersetzung mit dem Katholizismus und der katholischen Kirche bietet ein kleiner, nur 21-minütiger Film von <span style="color: #0000ff;">Liliana Cavani</span>,  der außer Konkurrenz präsentiert wird: <span style="color: #0000ff;"><strong>&#8220;Clarisse&#8221;</strong></span> sucht das Gespräch mit den Nonnen eines Klarissenkonvents in Urbino. Der schlichte Interviewfilm führt die Nonnen als Gruppe zusammen und befragt sie über die Gründe für ihren den Ordenseintritt, nach der Einschätzung ihrer Rolle innerhalb der Kirche, über ihr Selbstverständnis, über die Geschichte ihres Ordens, über das Beten, über das, was ihren Glauben ausmacht. Der Film konterkariert als Versuch, weiblichen Stimmen der katholischen  Kirche Gehör zu verschaffen, jenen Missstand, den die Nonnen bitter beklagen: dass ihnen innerhalb der Kirche nach wie vor kaum Raum als Gesprächspartenrinnen auf Augenhöhe eingeräumt wird.</p>
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		<title>Venedig (2): Seitensprung</title>
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		<pubDate>Thu, 30 Aug 2012 13:04:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Felicitas Kleiner</dc:creator>
				<category><![CDATA[Festivals]]></category>
		<category><![CDATA[Venedig]]></category>

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Eine erste feierliche Preisverleihung: Michael Cimino erhält den &#8220;Persol Award&#8221;, mit der Film-&#8221;Legenden&#8221; gewürdigt werden; ihm zu Ehren läuft auch &#8220;Heaven&#8217;s Gate&#8221; in einer von Criterion verantworteten digital restaurierten Fassung. Im Wettbewerb gab&#8217;s dagegen noch nichts Preiswürdiges zu entdecken; die bisherigen Filme lassen viel Spielraum nach oben offen. &#8220;Superstar&#8221; von Xavier Giannoli ist als Kritik [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: left;">
<div id="attachment_1589" class="wp-caption aligncenter" style="width: 460px"><a href="http://blog.film-dienst.de/wp-content/uploads/2012/08/000_dv1300013.8c1b5160013.original.jpg"><img class="size-large wp-image-1589" title="ITALY-VENICE-FILM-FESTIVAL" src="http://blog.film-dienst.de/wp-content/uploads/2012/08/000_dv1300013.8c1b5160013.original-1024x734.jpg" alt="" width="450" height="322" /></a><p class="wp-caption-text">Michael Cimino</p></div>
<p>Eine erste feierliche Preisverleihung: <span style="color: #0000ff;">Michael Cimino</span> erhält den &#8220;Persol Award&#8221;, mit der Film-&#8221;Legenden&#8221; gewürdigt werden; ihm zu Ehren läuft auch &#8220;Heaven&#8217;s Gate&#8221; in einer von Criterion verantworteten digital restaurierten Fassung. Im Wettbewerb gab&#8217;s dagegen noch nichts Preiswürdiges zu entdecken; die bisherigen Filme lassen viel Spielraum nach oben offen. <strong><span id="more-1571"></span>&#8220;<span style="color: #0000ff;">Superstar</span>&#8221; </strong>von Xavier Giannoli ist als Kritik am Celebrity-Kult und am Umgang der Medien mit der Würde des Einzelnen gedacht, der klassischen wie auch der neuen Social Media-Kanäle und des Internets. Ein durchaus redliches Anliegen, aber allzu betulich in seiner Aufarbeitung als Tragödie eines kleinen Mr. Nobody.</p>
<p style="text-align: left;"><strong> </strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong><br />
</strong></p>
<div id="attachment_1591" class="wp-caption alignright" style="width: 310px"><strong><a href="http://blog.film-dienst.de/wp-content/uploads/2012/08/2363-Izmena_Kirill_Serebrennikov__4_1.jpg"><img class="size-medium wp-image-1591" title="2363-Izmena_Kirill_Serebrennikov__4_" src="http://blog.film-dienst.de/wp-content/uploads/2012/08/2363-Izmena_Kirill_Serebrennikov__4_1-300x168.jpg" alt="" width="300" height="168" /></a></strong><p class="wp-caption-text">&quot;Izmena&quot;</p></div>
<p><strong><br />
</strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>&#8220;<span style="color: #0000ff;">Izmena</span>&#8220;</strong> (&#8220;Betrayal&#8221;) von Kirill Serebrennikov nimmt in der ersten halben Stunde als Geschichte eines Mannes gefangen, der über der Behauptung einer Fremden, seine Frau würde ihn mit deren Ehemann betrügen, den Boden unter den Füßen verliert; doch dann fährt sich der Film fest in einer sterilen Künstlichkeit, die jeden Hauch von Anteilnahme abwürgt; die ausgeklügelte, metaphorisch aufgeladene Bildsprache und die allzu aufdringlichen, bedeutungsschwangeren Gesten und Übersprungshandlungen der Figuren laufen ins Leere.</p>
<p style="text-align: left;">Interessant war als Kontrast der neue Film von Sarah Polley, der in der Reihe &#8220;giornate degli autori&#8221; präsentiert wurde: <strong>&#8220;<span style="color: #0000ff;">Stories We Tell</span>&#8220;.</strong> Auch hier geht es um einen Betrug, um den Seitensprung einer Ehefrau. Der semidokumentarische, sehr persönliche Film, eine Mischung aus Interviews mit Familienmitgliedern und nachinszeniertem Material, das wie Super-8-Aufnahmen alter Homevideos wirkt, nimmt dies als Ausgangspunkt für eine sehr berührende Reflexion über den Kosmos &#8220;Familie&#8221; und die Fragilität, aber auch Kraft menschlicher Bindungen und deren Konsolidierung durch gegenseitiges Erzählen und Zuhören.</p>
<p><a href="http://blog.film-dienst.de/wp-content/uploads/2012/08/the_iceman_3.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-1592" title="_the_iceman_3" src="http://blog.film-dienst.de/wp-content/uploads/2012/08/the_iceman_3-300x150.jpg" alt="&quot;The Iceman&quot;" width="300" height="150" /></a>Ein Seitensprung vom Wettbewerb lohnte sich auch mit Filmen, die &#8220;außer Konkurrenz&#8221; laufen. Einmal mehr erweist sich Venedig als Bühne für gutes Genrekino. Vor allem<strong> &#8220;<span style="color: #0000ff;">The Iceman</span>&#8220;</strong> von Ariel Vromen ist so gut, dass man den Film gerne als Anwärter für die &#8220;Löwen&#8221; gesehen hätte, schon wegen des furiosen Spiels von Michael Shannon, der hier einen nach historischem Vorbild gestalteten Auftragskiller spielt.</p>
<p style="text-align: left;">Seine Figur ist jedoch kein &#8220;eiskalter Engel&#8221;, sondern ein Mann, der neben seinem &#8220;Beruf&#8221; ein hingebungsvoller Familienvater ist. Shannon spielt diese Figur mit einer Wucht und Schwerfälligkeit, die er je nach Szene changieren lässt, vom &#8220;Fels in der Brandung&#8221; für seine kleine Familie hin zu einer Art Frankensteinsches Monster, das sein Handwerk entweder mit schockierender Skrupellosigkeit erledigt oder aber, indem er seine Ruhe und Langsamkeit engergisch abschüttelt, um vor Wut förmlich wie ein Vulkan auszubrechen.</p>
<p style="text-align: left;">Ein anderes vergnügliches, wenn auch nicht ganz so fesselndes Genre-Kabinettstück liefert Stephen Fung mit <strong>&#8220;<span style="color: #0000ff;">Tai Chi O</span>&#8220;</strong>, eine spielerisch umgesetzte Fusion aus Martial Art und Steampunk über einen chinesischen Parzival, der in einem legendären Dorf eine geheime Kung-Fu-Weise erlernen will und unversehens in eine Auseinandersetzung mit den Agenten der westlicher Industrialisierung hineingerät. Wie könnte man einen Film nicht mögen, in dem die Frauen eines Dorfes mit Hilfe von Rettich gegen bis an die Zähne bewaffnete Regierungstruppen kämpfen?</p>
<div id="attachment_1574" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://blog.film-dienst.de/wp-content/uploads/2012/08/2819-Tai_Chi_0_Stephen_Fung__2_.jpg"><img class="size-medium wp-image-1574  " title="2819-Tai_Chi_0_Stephen_Fung__2_" src="http://blog.film-dienst.de/wp-content/uploads/2012/08/2819-Tai_Chi_0_Stephen_Fung__2_-300x198.jpg" alt="" width="300" height="198" /></a><p class="wp-caption-text">&quot;Tai Chi O&quot;</p></div>
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