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Filmland Österreich

Montag, 25. Oktober 2010

Wenn man als filminteressierter Zeitgenosse in den letzten Jahren nach Österreich schaute, hielt man unwillkürlich den Atem an: Die pure Menge an außerordentlichen Filmen, Autoren und Darstellern war nicht mehr mit der Gunst der Stunde oder glücklichen Umständen zu erklären. Quer durch alle Sparten überrascht das Filmland Österreich mit höchst originellen, verqueren, bisweilen auch wegweisenden Arbeiten, wobei es gar nicht die All-Stars des Austro-Kinos wie etwa Michael Haneke, Ulrich Seidl oder Peter Tscherkassky sind, die Fragen nach den Gründen aufwerfen, sondern die vielen Talente in der Reihe dahinter. Gibt es ein Erfolgsrezept, das sich eruieren ließe, eine Rezeptur wie bei der Sachertorte, oder besondere politische, kulturelle oder personelle Konstellationen, die sich nachzeichnen ließen?

Diesen Frage geht die nächste Ausgabe des FILM-DIENST fd 22/2010 nach. Bei der Recherche zeichnete sich überdies bald die Notwendigkeit ab, die enorme Vielfalt des österreichischen Filmschaffens überhaupt in den Blick zu bekommen, weshalb sich zentrale Artikel mit den tragenden „Säulen“ beschäftigen, der Spielfilmproduktion und der Dokumentarfilmszene. Olaf Möller, der diese Ausgabe kuratiert hat, wurde indes nicht müde, den enormen Einfluss des Experimentalfilms auf nahezu alle gegenwärtigen Akteure des Filmgeschäfts zu betonen, der neben all den bekannten Nationalklischees die Produktion nachhaltig mitbestimme. Nicht zu übersehen ist auch die ungewöhnliche Vitalität dessen, was sich im weitesten Sinne als Filmrezeption beschreiben ließe: das dichte Netz aus Festivals, Filmmuseen, Archiven, Zeitschriften und Buchveröffentlichungen, die ungeachtet des angeblich winzigen Marktsegments mit bewundernswerter Qualität und Konstanz den Diskurs über Filme am Leben erhalten. In welchem anderen Land ließe sich eine nationale DVD-Edition wie „Der österreichische Film“ stemmen, die inzwischen 150 Werke umfasst und von Gustav Machatý („Ekstase“) über Wolfgang Liebeneiner („1. April 2000“) und Franz Antel („Der Bockerer“) bis zu Lisl Ponger („Passagen“) und Stefan Ruzowitzky („Tempo“) nahezu alle Facetten umfasst, die zwischen Vorarlberg und dem Burgenland je auf Laufbildern fixiert wurden? (Die Edition, herausgegeben von der Tageszeitung „Der Standard“, soll im Frühsommer auch in Deutschland vertrieben werden.) Für Österreich lässt sich jedenfalls der glückliche Umstand attestieren, dass die Kreativität der Macher auf das Talent cinéphiler Multiplikatoren trifft, die den Werken einen ihnen gebührenden Reflexionsraum verschaffen. Das ist wahrscheinlich nicht der wichtigste Baustein einer blühenden Filmlandschaft, aber doch einer, der das Ganze am Laufen hält.

Das Themenheft „FILMLAND ÖSTERREICH“ erscheint am Donnerstag, 28.10. und ist über den Buchhandel und einschlägige Zeitschriftenkioske, aber auch über leserservice@film-dienst.de zu beziehen.