Was ist nur mit Kim Ki-duk passiert? So richtig vermisst hatte man den koreanischen Regisseur nicht, der 2008 mit „Dream“ den letzten seiner immer esoterisch-parabelhafteren Filme präsentierte. Jetzt ist er wieder aufgetaucht, mit einem erschütternden Essayfilm über seine letzten drei Jahre. Zu sehen ist in ARIRANG ein von tiefen Depressionen gezeichneter Mann, der in einem Zelt in einer abgelegenen Provinzhütte haust, Schnee zum Trinken schmilzt und im Alkohol versinkt, sich dann aber mit der Kamera in der Hand – wie Münchhausen am Haarschopf – aus seiner Lethargie heraus filmt. (weiterlesen…)
Archiv für die Kategorie „Cannes“
Cannes (5): Arirang, Arirang, Arirang
Samstag, 14. Mai 2011Cannes (4): Habemus Papam
Freitag, 13. Mai 2011Nanni Moretti ist ein milder Kritiker, der eher dem Sarkasmus zuneigt, als dass er Salz in die Wunden streuen würde. Seine Art, die Verhältnisse humoristisch zu karikieren, bedient sich des Dialogs resp. des von ihm mit unbeweglicher Miene vorgetragenen Monologs, wie seine Filme auch nicht als Tragödie enden; selbst seine Abrechnung mit Berlusconi in „Der Kandidat“ (2006) war nicht viel mehr als eine Farce. Im Vatikan dürften deshalb keine Alarmglocken geschrillt haben, als bekannt wurde, dass er seinen nächsten Film dem Papsttum widmen werde. (weiterlesen…)
Cannes (3): Michael Althen
Freitag, 13. Mai 2011Kino, behaupten manche, sei schönen Frauen bei schönen Dingen zuschauen. Mit gleichem Recht und einem ähnlich bekannten Bonmot ließe sich postulieren, dass man im Kino dem Tod bei der Arbeit zuschaut; mehr noch: dass das filmische Erzähluniversum in wesentlichen Teilen zentral um das Ende des Daseins kreist. Am Beispiel des diesjährigen Wettbewerbs in Cannes könnte man darüber lange philosophieren, wenn die Nachricht vom plötzlichen Tod des Filmkritikers Michael Althen den deutschen Kollegen nicht schwer auf der Seele lastete.
Althen verstarb gestern nach kurzer Krankheit im Alter von 48 Jahren; seine Kritiken in der Süddeutschen Zeitung und der FAZ waren kluge, ungekünstelte Texte mit Herz, deren Stil eine ganze Generation von Autoren beeinflusste. In ihnen klang eine geerdete, ganz und gar unaufgeregte Cinephilie an, die sich in der Dokumentation „Auge in Auge“ wie von selbst mit dem bajuwarisch-gelassenen Timbre Althens verband, den man in dem zusammen mit Hans-Helmuth Prinzler gedrehten Film aus dem Off als Sprecher kommentieren hörte. (weiterlesen…)
Cannes (2): Once again
Donnerstag, 12. Mai 2011“Once again“, verspricht Thierry Fremaux im Festivalkatalog etwas unterkühlt, werde sich der Bunker in Cannes in den kommenden Tagen ins Mekka der Welt-Kinemathografie verwandeln. Allenfalls Eyjafjallajökull, der isländische Vulkan, könne die Filmschau jetzt noch behindern. Der Festivalchef wäre allerdings besser beraten gewesen, sich mit der Stadtverwaltung ins Benehmen zu setzen, denn in diesem Jahr ist es die Gewerkschaft der Busfahrer, die zu unliebsamen Umwegen zwingt. (weiterlesen…)
Cannes 2011
Dienstag, 10. Mai 2011Morgen beginnt das 64. Festival du Film in Cannes. Vom 11. bis zum 22. Mai verwandelt sich das französische Städtchen an der Cote d’Azur wieder ins Zentrum jenes filmischen Kosmos, das weltweit die Herzen der Cineasten höher schlagen lässt. Doch noch ist alles Schall und Fantasie, was die “Selection officielle” betrifft, die wie immer mit einer Phalanx hochkarätiger Autorenfilmer punktet.
Hier zur Einstimmung die Übersicht über das Programm (ausführliche Infos auf www.festival-cannes.fr):
Wettbewerb
Woody Allen MIDNIGHT IN PARIS (Eröffnungsfilm)
Christophe Honoré LES BIEN-AIMÉS (Beloved) (Abschlussfilm)
Pedro Almodóvar LA PIEL QUE HABITO
Bertrand Bonello L’APOLLONIDE
Alain Cavalier PATER
Joseph Cedar HEARAT SHULAYIM
Nuri Bilge Ceylan BIR ZAMANLAR ANADOLU’DA
(Once upon a time in Anatolia)
Jean-Pierre und Luc Dardenne LE GAMIN AU VÉLO (The Kid With a Bike)
Michel Hazanavicius THE ARTIST
Aki Kaurismäki LE HAVRE
Naomi Kawase HANEZU NO TSUKI
Julia Leigh SLEEPING BEAUTY
Maiwenn POLISSE (Poliss)
Terrence Malick THE TREE OF LIFE
Radu Mihaileanu LA SOURCE DES FEMMES
Takashi Miike ICHIMEI (Hara-Kiri: Death of a Samuraï)
Nanni Moretti HABEMUS PAPAM
Lynne Ramsay WE NEED TO TALK ABOUT KEVIN
Markus Schleinzer MICHAEL
Paolo Sorrentino THIS MUST BE THE PLACE
Lars von Trier MELANCHOLIA
Nicolas Winding Refn DRIVE
Out of Competition
Xavier Durringer LA CONQUÊTE (The Conquest)
Jodie Foster THE BEAVER
Rob Marshall PIRATES OF THE CARIBBEAN: ON STRANGER TIDES
Rakeysh Oomprakash Mehra, Jeffrey Zimbalist BOLLYWOOD – THE GREATEST LOVE STORY EVER
Midnight Screenings
Chan Peter Ho-Sun WU XIA
Everardo Gout DIAS DE GRACIA
Special Screenings
Frederikke Aspöck LABRADOR (Out of Bounds)
Mourad Ben Cheikh LA KHAOUFA BAADA AL’YAOUM (No more fear)
Jafar Panahi, Mojtaba Mirtahmasb IN FILM NIST (This is not a film)
Rithy Panh DUCH, LE MAÎTRE DES FORGES DE L’ENFER (Duch, Master of the Forges of Hell)
Michael Radford MICHEL PETRUCCIANI
Christian Rouaud TOUS AU LARZAC
Josh Tickell THE BIG FIX
Un Certain Regard
Gus Van Sant RESTLESS (Eröffnungsfilm)
Andrey Zvigintsev ELENA (Abschlussfilm)
Bakur Bakuradze OKHOTNIK (The Hunter)
Andreas Dresen HALT AUF FREIER STRECKE
Bruno Dumont HORS SATAN
Sean Durkin MARTHA MARCY MAY MARLENE
Robert Guédiguian LES NEIGES DU KILIMANDJARO
Oliver Hermanus SKOONHEID
Hong Sangsoo THE DAY HE ARRIVES
Cristián Jiménez BONSÁI
Eric Khoo TATSUMI
Kim Ki-duk ARIRANG
Nadine Labaki ET MAINTENANT ON VA OÚ ?
Catalin Mitulescu LOVERBOY
Na Hong-jin THE YELLOW SEA
Gerardo Naranjo MISS BALA
Mohammad Raspoulof BÉ OMID É DIDAR
Juliana Rojas, Marco Dutra TRABALHAR CANSA
Pierre Schoeller L’EXERCICE DE L’ETAT
Ivan Sen TOOMELAH
Joachim Trier OSLO, AUGUST 31ST
Goldene Palme für UNCLE BOONMEE
Sonntag, 23. Mai 2010Goldene Palme UNCLE BOONMEE WHO CAN RECALL HIS PAST LIVES von Apichatpong Weerasethakul
Grand Prix DES HOMMES ET DES DIEUX von Xavier Beauvois
Preis der Jury UN HOMME QUI CRIE von Mahamat-Saleh Haroun
Bester Regisseur Mathieu Amalric für TOURNÉE
Bestes Drehbuch Lee Changdong für POETRY
Bester Darstellerin Juliette Binoche in COPIE CONFORME von Abbas Kiarostami
Bester Darsteller (ex aequo) Javier Bardem in BIUTIFUL
Bester Darsteller (ex aequo) Elio Germano in LA NOSTRA VITA
FIPRESCI-Preis TOURNÈE von Mathieu Amalric
Preis der Ökumenischen Jury DES HOMMES ET DES DIEUX von Xavier Beauvois (weiterlesen…)
Palmenfantasien
Samstag, 22. Mai 2010Am Sonntagabend geht das 63. Festival du Cannes mit der Verleihung der Goldene Palme zu Ende. Es war ein ruhiges Jahr an der Croisette, mit wenige herausragenden Filmen oder Highlights, auch wenn das Festival durch Sonderveranstaltungen wie die Präsentation des restaurierten Visconti-Klassikers IL GATTOPARDO oder der fünfeinhalbstündigen Premiere von CARLOS umsichtig genug war, die Stimmung nicht allzu sehr ins Negative kippen zu lassen. Die Frage, warum der 2010er-Jahrgang so bescheiden ausfällt, ob die Ursachen der Wirtschafts- oder einer Kinokrise geschuldet sind, wollte in Cannes niemand beantworten; vom Filmmarkt kamen jedenfalls keine Hiobsbotschaften, eher Meldungen, dass es auf bescheidenerem Level wieder aufwärt geht. (weiterlesen…)
At it’s best
Freitag, 21. Mai 2010Im letzten Jahr stand in diesem Cannes-Blog zu lesen, dass sich das Kino schwer tue, Gedichte oder literarische Texte in seine Geschichten zu integrieren. Wie um diese Meinung zu konterkarieren, betitelt der koreanischem Filmemacher Lee Changdong (SECRET SUNSHINE) sein jüngstes Werk schlicht mit POETRY und erzählt darin auch noch von einer alten Frau (großartig: Yun Junghee), die an einer Art Volkshochschule das Dichten lernen will. (weiterlesen…)
Erholsame Kontraste
Donnerstag, 20. Mai 2010Was ein Festival wie Cannes auf die Dauer von zwölf Tagen vor allem erträglich macht, sind Filme, die in kein Raster passen oder durch ihre Unkonventionalität überraschen. Das kann durchaus eine bonbonfarbene Komödie wie TAMARA DREWE von Stephen Frears sein, der sich nach THE QUEEN und CHÉRI jetzt an einer Comic-Adaption versucht, die ihrerseits von Thomas Hardy’s Roman „Far From the Madding Crowd“ (dt: Am grünen Rand der Welt) inspiriert wurde. Oder auf der anderen Seite das jüngste Werk von Jean-Luc Godard, der multilinguale FILM SOCIALISME, dessen Untertitel vom Regisseur so radikal auf ein Art Esperanto-Englisch mit Drei-Wort-Sätzen reduziert wurden, dass die Rezeption notgedrungen fragmentarisch-konkreativ ausfallen musste. (weiterlesen…)
Manager der Revolution
Donnerstag, 20. Mai 2010In Deutschland ist Ilich Ramirez Sanchez (geb. 1949) kaum bekannt, zumindest nicht mit seinem bürgerlichen Namen. Am ehesten kennt man ihn noch unter seinem „nome de guerre“, CARLOS, mit dem er 1975 durch Überfall auf die OPEC-Konferenz in Wien als „internationaler Top-Terrorist“ von sich reden machte; in Frankreich erlangte er hingegen nahezu “Star“-Status, weil dort in den 1970er- und 1980er-Jahren zahlreiche Anschläge auf sein Konto gingen, ohne das die Polizei seiner habhaft wurde. Erst nach mehr als 20 “revolutinären” Jahren wurde er 1997 im im Sudan verhaftet; seit 1997 sitzt der Terrorist wegen Mordes in einem französischen Gefängnis. Dieses schillernde, geheimnisumwitterte Leben hat Oliver Assayas in ein monumentales, 330 Minuten langes Bio-Pic verwandelt, in pures, energetisches Kino, das historische Lücken schließt und ihn als eine Art dandyhafter Manager der Revolution nahe bringt. (weiterlesen…)










