Wegen der Jubiläumsfeierlichkeiten und des großen Andrangs musste man vom liebgewonnenen, intimen “De Bijloke Konzertsaal” für die 10. Gala des World Soundtrack Award in eine Multifunktionshalle umziehen, die 5000 Besuchern Platz gibt. Leider, muss man sagen, denn weder Atmosphäre, Auslastung noch Akustik entsprachen dem hohen Standard der Akteure und der vorgetragenen Kompositionen. Die komplexe Rhythmik der Werke eines Frédéric Devreese, der volle Orchesterklang eines „Shakespeare in Love“ von Stephen Warbeck oder des sphärischen „Oceans“ von Bruno Coulais gerieten angesichts des akustischen Halls und der elektronischen Verstärkung zur undefinierbaren Musiksuppe. Besser klangen das ohnehin mit jazzigem Drive und viel Bläser-Power versehene “James Bond”-Medley von John Barry oder die eher kammermusikalischen Einsätze von Gustavo Santaolalla („Brokeback Mountain“, „Motorcycle Diarys“) mit Gitarre, von Gabriel Yared („Der talentierte Mr. Ripley“) mit Gesang und von Angelo Badalamenti („Twin Peaks“) am Klavier.
Zehn Jahre – zehn Komponisten! Ein höchst eigenwilliges Konzert und eine ungeheure Organisationsleistung. Außer Alberto Iglesias, dessen eigens für Gent arrangierte „Volver“-Suite ohne den Komponisten zu Gehör gebracht wurde, waren alle Maestros anwesend und bekundeten in Dankesreden unisono die immense Wichtigkeit des Festivals für die Reputation der gesamten Branche. Neben ihnen komplettierten Elliot Goldenthal („Titus“), Craig Armstrong („Der stille Amerikaner), Nico Muhly („Der Vorleser“) sowie Howard Shore mit einer Auswahl der „Gefährten“-Musiken aus der „Herr der Ringe“-Trilogie das Feld. Zwei Stunden fesselnde Musik, die die komplette Bandbreite filmmusikalischer Vielfalt für den Zuschauer im Konzertsaal offenbarte.
Darüber geriet die Verleihung der 10. World Soundtrack Awards fast ein wenig zur Nebensache. Das mochte auch daran liegen, dass es kaum Überraschungen gab, und wenn, dann höchstens ernüchternde. Dass Abel Korzeniowski für seinen überragenden Filmscore zu „A Single Man“ als Entdeckung des Jahres geehrt wurde, war abzusehen; sehr respektabel auch, dass in einem Jahr, in dem Danny Elfman, Hans Zimmer oder Alexandre Desplat gleich mehrer Blockbuster vertont haben, ein kleiner Film wie „A Single Man“ mit seiner auf Elektrobombast komplett verzichtenden Musik auch den Publikumspreis gewann. Ein wenig einfallslos mutet allerdings die Entscheidung an, den bereits im letzten Jahr zweifach geehrten Alexandre Desplat mit dem Preis für die beste Filmmusik („Der fantastische Mr. Fox“) und außerdem als Besten Filmkomponisten 2010 auszuzeichnen. Da haben die mitnominierten Hans Zimmer („Sherlock Holmes“), John Powell („Drachenzähmen leicht gemacht“) oder Carter Burwell („Wo die wilden Kerle wohnen“) in den letzten Monaten allesamt Besseres geleistet. Sei es drum. Im nächsten Jahr ist der WSA in seiner elften Runde wieder vom Jubiläumsdruck befreit und findet in hoffentlich gewohnt überschwänglicher Stimmung und besseren Konzerthäusern statt. So gehört es sich für das wichtigste Filmmusik-Event nach den “Oscars”!
Die Preise: (weiterlesen…)




