Stolze 80 Jahre wird die „Mostra Internazionale d’Arte Cinemato- grafica“ in Venedig in diesem Jahr alt! 1932 fand die erste Ausgabe der Filmschau statt. Dass in den nächsten Tagen (29.8.-8-9.) trotzdem erst das 69. Festival über die Bühne geht, hängt primär mit dem Zweiten Weltkrieg zusammen. Trotzdem feiert sich die „Mostra“ mit der Retro „80!“, die selten gezeigte Filmperlen aus der langen Geschichte des Festivals versammelt (hier das Programm). (weiterlesen…)
Archiv für die Kategorie „Venedig“
Venedig (1): 80!
Mittwoch, 29. August 2012Venedig 1: Clooney und Co.
Mittwoch, 31. August 201131.8.
Die ersten Euphorie-Ausbrüche gab es bereits um die Mittagszeit des ersten Festival-Tages. Da fuhr George Clooney mit dem Motorboot vor dem Palazzo del Casino vor. Mit seinem Film „The Ides of March“ feiert die 68. Mostra Internazionale d’Arte Cinematografica am Donnerstag in Venedig ihre Eröffnung. Ein gelungener Auftakt für das Festival: Der Film erzählt zwar eine ganz andere Geschichte als “Good Night, and Good Luck”, teilt mit ihm aber viele Meriten: In seinem politischen Anliegen, dem Ausbalancieren eines großen Ensembles, in seinem zärtlich-sorgfältigen Umgang mit den Figuren. (weiterlesen…)
Venedig – Nachlese zum Wettbewerb
Montag, 13. September 2010Die Jury des 67. Filmfestivals Venedig hat ihre Preise vergeben – oder doch vor allem Jury-Präsident Quentin Tarantino? Eine solcher Einwurf mag etwas unfair sein gegenüber den Mitjuroren, dem Drehbuchautor Guillermo Arriaga, der Schauspielerin Ingeborga Dapkunaite, den Regisseuren Arnaud Desplechin, Luca Guadagnino und Gabriele Salvatores sowie dem Komponisten Danny Elfman, die neben Tarantino den diesjährigen Wettbewerb zu bewerten hatten. Doch man kann sich des Eindrucks nicht ganz erwehren, dass der beredte Jury-Präsident bei den Entscheidungen mehr als ein gewichtiges Wort mitgesprochen hat. Wirklich ärgerlich ist allerdings nur die doppelten Auszeichnung für den Film des “spanischen Tarantino” Álex de la Iglesia: Dessen “Balade triste de la trompeta” gleich mit zwei “Silberne Löwen” für die beste Regie und mit dem Drehbuchpreis zu eheren, scheint angesichts dieses ziemlich krud
en Films reichlich abwegig. Zwar findet Iglesia gelegentlich surreal-mitreißende Szenen – etwa in der furiosen Exposition -, doch ansonsten wird aus der Idee, das Land während des Franco-Regimes als gewalttätige Clownerie zu entlarven, nur sehr wenig gemacht zugunsten einer ebenso trivialen wie sexistisch-reißerischen Dreiecksgeschichte. Tarantino hätte sich nur an sein eigenes Werk “Inglorious Basterds” erinneren müssen, um zu sehen, wie man es besser macht. Oder, wenn es denn ein gewaltträchtiges Genre sein sollte, den deutlich stärkeren Film von Miike Takashi, “Jusan-nin no shikaku” (“13 Assassins”), auszuzeichen, einem hinreißenden, geradlinigen Samurai-Film in der Tradition von Kurosawas “Sieben Samurai”. (weiterlesen…)
Venedig – Die Preise
Sonntag, 12. September 2010Goldener Löwe „Somewhere“ von Sofia Coppola
Beste Regie Álex de la Iglesia für „Balada triste de trompeta“
Preis der Jury Jerzy Skolimowski für „Essential Killing“
Bester Darsteller Vincent Gallo in „Essential Killing“
Beste Darstellerin Ariane Labed in „Attenberg“
Marcello-Mastroianni-Preis Mila Kunis für „Black Swan“
Beste technische Leistung Michail Kritschman für „Owsjanki“
Bestes Drehbuch Álex de la Iglesia, „Balada triste de trompeta“
Preis fürs Lebenswerk Monte Hellman
FIPRESCI-Preis „Owsjanki“ von Alexei Fedortschenko
SIGNIS-Preis „Meek’s Cutoff“ von Kelly Reichardt
Venedig – amour fou
Freitag, 10. September 2010Eine DVD wird in ein Notebook eingelegt; auf dem Bildschirm erscheint eine Filmszene: Eine junge Frau sitzt in einem Schlafzimmer auf dem Bett und lackiert ihre Fingernägel.
Die Kamera zoomt immer näher, bis der Notebook-Bildschirm irgendwann die ganze Leinwand ausfüllt. Sobald der Rahmen des Bildschirms aus dem Bildkader der Leinwand verschwunden ist, wird das, was vorher nur ein Pixel-Bild war, zur erzählten Welt, in die man als Zuschauer eintaucht. Um die Bereitschaft, vielleicht auch die Obsession, sich auf Fiktionen einzulassen, geht es im neuen Film von Altmeister Monte Hellman, “Road to Nowhere“. Das erzählerische Grundgerüst dafür bietet eine Art Meta-Neo Noir-Geschichte: Ein junger, angesagter Regisseur will eine True-Crime-Story verfilmen, in deren Mittelpunkt eine schöne junge Frau und ihr älterer Liebhaber, ein Politiker, stehen. In was für krumme Geschäfte die beiden verwickelt sind, bleibt mysteriös, jedoch kommt schließlich ein örtliche Deputy zu Tode und das Paar begeht Selbstmord. Oder? (weiterlesen…)
Venedig – Trauerarbeit
Donnerstag, 9. September 2010“La solitudine dei numeri primi” von Saverio Costanzo ist leider eine weitgehend enttäuschende Verfilmung des Romans von Paolo Giordano. Darin geht es um zwei Außenseitern, Alice (Alba Rohrwacher) und Matthia (Luca Marinelli), die sich als Teenager befreunden, weil beide in dem unverarbeiteten Leid, das der jeweils andere mit sich herumträgt, einen Spiegel der eigenen Verwundung erahnen.
Zwar findet der Film in der ersten Hälfte, wenn es vornehmlich um die Teenager-Jahre der beiden geht, noch stimmige Situationen, die ihre Befindlichkeiten nachfühlbar machen, doch es gelingt dem Film nicht, den Zuschauer bei den Zeitsprüngen ins Erwachsenen-Alter mitzunehmen. (weiterlesen…)
Venedig – Epische Reisen ins 19. Jahrhundert
Mittwoch, 8. September 2010Mit „Noi credevamo“ legt Mario Martone den längsten Film des diesjährigen Wettbewerbs vor – 204 Minuten italienische Geschichte. Das erzählerische Grundprinzip ähnelt jenem, das man aus „Die besten Jahre“ von Marco Tullio Giordana oder „Mein Bruder ist ein Einzelkind“ von Daniele Luchetti kennt: Anhand sich konträr entwickelnder Schicksale und politischer Haltungen dreier Brüder wird diskursiv eine Bruchstelle der italienischen Geschichte aufgearbeitet. Wobei die „Brüder“ in „Noi credevamo“ (übersetzt: „Wir glaubten“) keine leiblichen Brüder sind, sondern “Nenn”-Brüder,
die zu Beginn des 19. Jahrhunderts zusammen in Sizilien aufwachsen und sich als junge Männer für die Bewegung „Giovine Italia“ begeistern, die die Einheit Italiens anstrebt. (weiterlesen…)
Venedig – Glory to the filmmaker
Dienstag, 7. September 2010
Die Premiere von “Ravaan“, dem neuen Werk des indischen Regisseurs Mani Ratnam, der dieses Jahr mit dem Jaeger-LeCoultre – Glory to the Filmmaker Award für sein Lebenswerk geehrt wird, ist formal etwas Besonderes: Der Film kommt in zwei verschiedenen Sprachversionen zur Aufführung, einmal in Hindi, einmal in Tamil – was bezeichnend ist für die (sprach-)grenz(en)überschreitende Bedeutung des tamilischen Filmemachers Ratnam, der das geschafft hat, neben “Tollywood” auch Bollywood und den gesamten indischen Kino-Markt für sich zu erobern – und darüber hinaus eine internationale Fangemeinde. (weiterlesen…)
Venedig – Engel des Bösen
Montag, 6. September 2010
Ein Zimmer in einem Motel an der Grenze zwischen den USA und Mexiko, darin ein Mann, der sein Gesicht mit einem schwarzen Stoff verhüllt, weil er nicht erkannt werden will, und ein Skizzenbuch, in dem er mit Notizen und Zeichnungen die Geschichte illustriert, die er der Kamera erzählt: Gianfranco Rosis Dokumentarfilm „El Sicario Room 164“ (in der Reihe “Orrizonti”) arbeitet mit sparsamen Mitteln und hinterlässt doch einen extrem starken Eindruck. Der verschleierte Protagonist, der von zwanzig Lebensjahren im Dienst eines Syndikats erzählt, für das er zunächst Drogen geschmuggelt und dann als Killer und Folterer gearbeitet hat, ist ein ebenso beredter wie eitler Cicerone in einer schockierende Parallelwelt des organisierten Verbrechens; sein Bericht erschüttert als Insider-Einblick in die Machtstrukturen der Syndikate, aber auch als ebenso abstoßendes-faszinierendes Psychogramm eines Berufsmörders. (weiterlesen…)
Venedig – Geografien
Sonntag, 5. September 2010
Dass Kino auch ohne 3D von der Wirkung der Räume lebt, die es auf der planen Leinwand erstehen lässt, riefen einige Beiträge der letzten Tage in Erinnerung – etwa Tsui Harks Fantasy-Epos Di Renjie zhi Tongtian diguo“ („Detective Dee and the Mystery of Phantom Flame“). Was Geschichte und Figuren angeht, ist der Film zwar nicht besonders originell, glänzt dafür aber mit atemberaubenden Architekturfantasien. Interessanter waren einige Filme, die mit der Textur der Landschaften arbeiten.
Das gilt insbesondere für den nur etwa 75 Minuten langen russischen Wettbewerbsbeitrag „Ovsyanki“ („Silent Souls“) von Aleksei Fedorchenko. Der Film folgt zwei Männern, die eine Frau bestatten wollen – den Ritualen der Merya folgend, eines alten finnischen Stammes, auf den viele Bewohner der zentralrussischen Flusslandschaft, in der der Film spielt, ihre Herkunft zurückführen. (weiterlesen…)

