Archiv für die Kategorie „Venedig“

Venedig – Und Action!

Freitag, 3. September 2010

Nicht alle Preis-„Löwen“ von Venedig müssen warten, bis die Jury unter dem Vorsitz von Quentin Tarantino am Ende des Filmfestivals ihre Entscheidungen trifft. Bereits heute abend wird der „Goldene Löwe“ für ein Lebenswerk vergeben – in diesem Jahr an den Regisseur John Woo. Marco Müller würdigt ihn im Festivalkatalog nicht nur als Ballettmeister des Actionkinos, dessen Inszenierungskunst Filmemacher weltweit beeinflusst hat, sondern auch als großen Kinoerzähler, in dessen Geschichten  sich die moralische Integrität seiner Figuren im Angesicht tragischer Konflikte immer wieder bewähren muss. Woo wird als Brückenbauer gewürdigt, der in seinem Schaffen Einflüsse von Kurosawa über Hitchcock bis zu Jacques Demy aufgegriffen hat, um seinerseits dem Hong-Kong-Kino und generell dem asiatischen Genrekino zu neuer Aufmerksamkeit zu verhelfen. Im Rahmen des Wettbewerbs, aber außer Konkurrenz läuft  „Jianyu“ („Reign of Assassins“) von Su Chao-Pin und John Woo: ein großangelegtes historisches Martial-Arts-Epos , das an viele Stärken von Woo erinnert in der furios-rhythmischen Umsetzung zahlreichen Kampfsequenzen, die stets in eine sorgfältig entwickelte Geschichte um Rache, Intrige und Liebe eingebunden bleiben und nicht zuletzt daraus ihren Verve beziehen, dass es stimmig gestaltete Charaktere, nicht Knallchargen sind, die da auf Leben und Tod gegeneinander antreten. (weiterlesen…)

Venedig – Tag 2

Donnerstag, 2. September 2010

Eine Wunde, die nicht heilt, weil der verwundete Mensch sie nicht in Ruhe heilen lassen kann, sondern sie wieder öffnet: In “Noruwei no mori” (“Norwegian Wood”) von Tran Anh Hung (“Der Duft der grünen Papaya”) findet sich wie schon in Darren Aronofskys “Black Swan” eine solche Szene, in der sich der innere Schmerz der Hautfigur auf  körperliche Weise Bahn bricht. Beide Filme verbindet außerdem, dass sie beschädigte weibliche Figuren vorstellen, die mit ihren inneren Dämonen nicht fertig werden. Bei Tran Anh Hung ist es zwar die männliche Hauptfigur Watanabe, die einen Schnitt in der Handfläche wieder aufbricht; trotzdem ist es am Ende aber seine Geliebte, die vor  der schmerzlichen Vergangenheit, dem Selbstmord eines Freundes, kapituliert. Tran Anh Hungs Verfilmung eines Romans von Haruki Murakami ist ein melancholisches Jugendporträt, das in den 1960er-Jahren in Tokyo spielt, während auf den Straßen Studentenunruhen toben, deren Aufbruchsstimmung durch das private Dilemma des Protagonisten konterkariert wird, der mit ansehen muss, wie seine Liebste langsam am Verlust des einstigen Freundes zerbricht, und der darum kämpft, nicht auch seinerseits den Hunger nach Liebe und Leben zu verlieren. (weiterlesen…)

Venedig – Tag 1

Mittwoch, 1. September 2010

Neue Horizonte

Denkschubladen aufbrechen und neu darüber nachdenken, was Kino (als Kunst) sein kann – darum soll es gehen bei den 67. Filmfestspielen Venedig, lautet der Tenor der Einführungen im Katalog, der das Programm vorstellt. Wesentliche Impulse sollen dabei von Neuerungen in der Sektion “Orizzonti” kommen: “Ghettos”, die Filme in bestimmte Kategorien pressen – seien es  Genre-Kategorien oder schlicht Formate wie Kurz- und Langfilm bzw. Spiel- und Dokumentarfilm – werden aufgelöst, um jeden Film als Einzelwerk und in seiner Einzigartigkeit besser wahrnehmen zu können. Film wird dabei als Teil einer visuellen Kultur betrachtet, die sich in den letzten Jahren rapide weiterentwickelt hat – was Produktion und Distribution anbelangt, letztlich aber natürlich auch äthetisch. (weiterlesen…)